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Künstliche Befruchtung: Das Wichtigste zu Ablauf, Chancen, Kosten

Viele Frauen und Paare, die den tiefen Wunsch haben, einem kleinen Menschen das Leben zu schenken, sind auf eine künstliche Befruchtung angewiesen.

Doch was bedeutet ein  Ja zu einer künstlichen Befruchtung? Welche Methoden der künstlichen Befruchtung gibt es? Wie sieht deren Ablauf aus und welche Chancen und Risiken sind damit verbunden?

In diesem Beitrag erfährst du alles Wichtige zum Thema künstliche Befruchtung am Beispiel der drei Methoden der Insemination, der  IVF und der ICSI.

Künstliche Befruchtung: Methoden im Überblick

Bei einer künstlichen Befruchtung hilft ein Arzt oder ein Biologe dabei, Ei- und Samenzelle innerhalb oder außerhalb des weiblichen Körpers zusammenzubringen. Der Begriff „künstlich“ bezieht sich dabei auf diese medizinische Hilfestellung und die Tatsache, dass die Zeugung vom  natürlichen Geschlechtsakt losgelöst ist. Alternativ kannst du auch den Begriff der assistierten Reproduktion verwenden.

Bei einer künstlichen Befruchtung gibt es verschiedene Methoden, die ich dir jetzt vorstellen möchte.

Insemination (IUI)

Bei der Intrauterinen Insemination (kurz IUI oder Samenübertragung) wir das aufbereitete Sperma des Mannes mit Hilfe eines flexiblen Katheters direkt in die Gebärmutter der Frau gespritzt. Oftmals erfolgt im Vorfeld eine Hormonbehandlung, um ein Heranreifen von mehreren Eizellen zu gewährleisten.

In der Medizin spricht man von einer homologen Insemination, wenn hierzu das Sperma des eigenen Partners verwendet werden kann. Benötigt ein Paar das Sperma von einem Samenspender, spricht man von einer heterologen (donogenen) Insemination.

Die IUI ist die in der Reproduktionsmedizin am häufigsten eingesetze Methode der künstlichen Befruchtung.

In vitro Fertilisation (IVF)

IVF steht für In vitro Fertilisation und ist eine Methode zur künstlichen Befruchtung.

Dabei bedeutet IVF wörtlich übersetzt Befruchtung im Glas. Dementsprechend findet die Befruchtung der Eizelle nicht im Körper der Frau statt. Vielmehr geschieht sie in einer Petrischale im Labor eines Kinderwunschzentrums.

Bei einer IVF findet die Verschmelung von Ei- und Samenzelle wie bei einer  natürlichen Befruchtung ohne Hilfe von außen statt. Nur der Ort, an dem die Befruchtung stattfindet,  ist nicht der Eileiter der Frau, sondern eine Petrischale in einem Labor.

Intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI)

Die Abkürzung ICSI steht für Intrazytoplasmatische Spermieninjektion. Wie der Name schon sagt, erfolgt dabei die Befruchtung nach vorhergehender Hormonbehandlung und Punktion der Eizellen durch ein Einspritzen des Spermiums in die Eizelle. Dieser Vorgang wird von einem Biologen im Labor assistiert und ist im Empfinden vieler Paare deutlich weniger natürlich.

Die ICSI gehört ebenfalls zu einer der sehr häufig eingesetzten Methoden in der Reproduktionsmedizin. Nach der Befruchtung der Eizelle und den ersten Zellteilungen wird der Embryo zurück in die Gebärmutter der Frau transferiert.

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Warum erfolgt eine IUI, IVF oder ICSI Behandlung?

IUI

Die Insemination (IUI) wird gerne dann eingesetzt, wenn beim Mann ein eingeschränktes Spermiogramm festgestellt wurde und dieses nur vermindert bewegliche und gesunde Samenzellen aufzuweisen hat. Dabei gibt es Kriterien, ab welcher Qualität des Spermas eine IUI und ab welcher Qualität eine IVF oder ICSI durchgeführt werden sollte. Je schlechter das Spermiogramm, desto mehr Hilfe brauchen die Spermien, um in die Nähe der Eizelle zu gelangen.

Die Samenübertragung wird oftmals auch dann angewandt, wenn Paare mit idiopathischer Sterilität Hilfe in einer Kinderwunschklinik suchen. Idiopathische Sterilität bedeutet, dass bei dem Paar kein medizinischer Grund für den unerfüllten Kinderwunsch gefunden werden konnte. Die IUI stellt dann einen der ersten Versuche dar, um diese unerklärte Unfruchtbarkeit zu behandeln.

Schließlich kommt die Insemination bei Single Frauen oder auch lesbischen Paaren zum Einsatz, die sich für die Verwendung von Kryosperma aus einer Samenbank entschieden haben. Zwar gibt es auch die Möglichkeit der privaten Samenspende, viele Frauen und Paare bevorzugen aber eine Insemination unter ärztlicher Kontrolle.

IVF

Ursprünglich wurde die IVF zur Behandlung von Frauen entwickelt, für die aufgrund einer tubaren Sterilität (gestörte Funktion der Eileiter) eine Befruchtung auf natürlichem Wege nicht möglich war. Denn für eine erfolgreiche Befruchtung ist es notwendig, dass Ei- und Samenzelle zusammentreffen können.

Hierbei muss nicht unbedingt ein kompletter Verschluss beider Eileiter vorliegen, vielmehr reicht oft auch eine Endometriose Erkrankung oder Verwachsungen im Beckenbereich aus, um die Funktion der Eileiter massiv zu beeinträchtigen.

Häufig gibt es auch nur den Verdacht auf eine Störung dieser Eileiterfunktion, wenn andere Behandlungsansätze wie beispielsweise mehrere Zyklen mit intrauteriner Insemination zu keiner Schwangerschaft geführt haben.

Weitere Indikationen für eine IVF können eine eingeschränkte Fruchtbarkeit des Mannes,  eine idiopathische Sterilität, Verlust der Eileiter, Entzündungen, eine Sterilisation, Endometriose und PCOS sein.

Bitte frage bei deinem Arzt nach, aus welchen Gründen er dir eine IVF empfiehlt.

ICSI

Ist aufgrund einer sehr stark eingeschränkten Samenqualität eine aktive Befruchtung nicht möglich, muss ein einzelnes Spermium in die Eizelle gespritzt werden. Neben dieser stark eingeschränkten Samenqualität als Indikation für eine ICSI kann weiterhin eine schlechte Befrchtungsrate während eines vorangegangenen IVF Zyklus als Grund für die Durchführung einer ICSI angeführt werden.

Künstliche Befruchtung Ablauf

Bei einer IUI, IVF oder einer ICSI erfolgt im Normalfall zunächst eine Hormonbehandlung, die die Eierstöcke dazu anregen soll, mehrere Eibläschen gleichzeitig reifen zu lassen.

Ziel ist es mehrere reife Eizellen zu gewinnen.

Für die Stimulation werden Eiweißhormone verwendet, die normalerweise in der Hirnanhangsdrüse gebildet werden und die die Funktion der Eierstöcke regulieren. Diese Hormone müssen in hoher Dosierung verwendet und gespritzt werden.

Würdest du dich beispielsweise für eine IVF oder ICSI entscheiden, so würde dir im Vorfeld der Behandlung die genaue Vorgehensweise und die eigenständige Verabreichung der Hormonspritzen im Kinderwunschzentrum erklärt werden.

Neben der Stimulation der Eierstöcke ist es im Behandlungsverlauf notwendig, dass ein vorzeitiger Eisprung verhindert wird.

Hierzu werden Medikamente (sogenannte GnRH-Analoga) verwendet, welche entweder gespritzt oder aber durch eine Gabe als Nasenspray verabreicht werden.

Je nach Behandlungsprotokoll werden diese Präparate zu Verhinderung des vorzeitigen Eisprungs entweder vor Beginn der Stimulation (sogenannte Down Regulation im langen Protokoll) oder nach einigen Tagen der Stimulation  (im kurzen Protokoll) angewendet.

Welches Behandlungsprotokoll eingesetzt wird legt dein behandelnder Kinderwunsch Arzt nach einer umfassenden Anamnese und sehr genauen Untersuchung fest.

Die Stimulation der Eierstöcke dauert meistens zwischen 8 und 13 Tagen.

Nach dieser Zeit erfolgt eine Injektion des Hormons hCG, welches zu einer abschließenden Ausreifung der Eizellen führt.

35 bis 37 Stunden nach dieser Injektion werden die Eizellen im Rahmen einer Punktion von der Scheide aus entnommen. Diese Punktion erfolgt nur bei einer IVF und einer ICSI, bei einer IUI erfolgt der Eisprung und eine Befruchtung im Körper der Frau.

Da die Punktion schmerzhaft sein kann, wird sie oft unter Narkose durchgeführt. Trotz dieser Narkose  ist eine Eizellpunktion ein ambulanter Eingriff und die Patientin kann das Kinderwunschzentrum wenige Stunden nach der Durchführung wieder verlassen.

Wenn Du Dich fragst, wie Frauen eine IVF erleben, kann ich Dir folgenden Artikel auf Kindeshalb sehr empfehlen:

ICSI Erfahrungen: Kirstens Kiwu Tagebuch Teil 1

Die Befruchtung im Labor

Die Befruchtung der Eizellen erfolgt einige Stunden nach der Eizellentnahme.

Bei normaler Spermienqualität werden hierzu Ei- und Samenzellen im Labor zusammengebracht.

Wie bei einer natürlichen Empfängnis erfolgt die Befruchtung dabei dadurch, dass sich einzelne Samenzellen an die Eizelle binden, eine Samenzelle in das Ovum eindringt und sie befruchtet.

ICSI das Spermium wird in die Eizelle eingespritzt

ICSI das Spermium wird in die Eizelle eingespritzt

 

Ist die Samenqualität nicht gut oder klappt die künstliche Befruchtung auf diesem Wege nicht, muss eine ICSI durchgeführt werden.

Dabei werden unter dem Mikroskop einzelne Samenzellen ausgesucht und mit einer sehr feinen Injektionsnadel in die Eizellen eingespritzt.

Am Tag nach der künstlichen Befruchtung wird das Ergebnis zum ersten Mal kontrolliert.

Es wird untersucht, bei wie vielen Eizellen sich zwei sogenannte „Vorkerne“ gebildet haben.

Je nach vorheriger Absprache mit dem Paar werden dann eine, zwei oder drei Eizellen im Brutschrank weiterkultiviert.

Hierbei entwickeln sich diese Eizellen im Vorkernstadium zu Embryonen weiter.

Die übrigen Eizellen im Vorkernstadium können auf Wunsch des Paares in flüssigem Stickstoff eingefroren werden.

Diese Kryokonservierung ermöglicht dem Paar die Möglichkeit diese Eizellen zu einem späteren Zeitpunkt auftauen und weiterkultivieren zu lassen.

Verzichtet ein Paar auf eine Kryokonservierung müssen nach dem Gesetz alle übrigen Eizellen verworfen werden.

Die Übertragung von Embryonen in die Gebärmutter

3 bis 5 Tage nach der Befruchtung der Eizellen werden die Embryonen in die Gebärmutter zurückgesetzt.

Auch hierbei handelt es sich wieder um einen ambulanten Eingriff, wobei hierbei keine Narkose notwendig ist.

Der Transfer der Embryonen in die Gebärmutter ist nicht oder nur mit sehr geringen Schmerzen verbunden. Dabei überträgt der Arzt die Embryonen mithilfe eines sehr dünnen und biegsamen Schlauchs durch die Scheide in die Gebärmutter.

In der Zeit nach der Eizellentnahme verordnet der Arzt Gelbkörperhormone in Kapselform, die in die Scheide eingeführt werden. Manchmal erfolgt auch noch eine Injektion, um die Gelbkörperfunktion noch mehr zu unterstützen.

10 bis 12 Tage nach dem Transfer der Embryonen in die Gebärmutter kann durch eine  Blutuntersuchung überprüft werden, ob eine Schwangerschaft eingetreten ist.

Viele Frauen halten allerdings diese lange Ungewissheit nicht aus und testen bereits vorher zu Hause mit einem Schwangerschaftsfrühtest.

Schwangerschaftstest: Hoffentlich ist der Test positiv

Schwangerschaftstest: Hoffentlich ist der Test positiv

Welche Risiken gibt es?

Bei der Hormonstimulation kann es zu einem ovariellen Hyperstimulationssyndrom kommen.

Hierbei schwellen die Eierstöcke sehr stark an. Zudem kann es zu Wasseransammlungen in der Bauch- und Brusthöhle kommen, wobei der Flüssigkeitsverlust aus dem Blut manchmal zur Bildung von Blutgerinnseln führen kann. Oft besteht Atemnot oder es kommt zu Problemen mit der Nierenfunktion. Eine Überstimulation ist eine ernsthafte Überreaktion auf die Hormonstimulation und kann unter Umständen eine stationäre Behandlung notwendig machen.

Ein weiteres Risiko ist durch die Punktion der Eizellen gegeben. Da die Eierstöcke bei der Punktion nur durch Ultraschall betrachtet werden können, ist eine Verletzung der Bauchorgane nicht auszuschließen.

Auch eine Eileiterschwangerschaft kann als mögliche Komplikation nicht ausgeschlossen werden. Eine solche Eileiterschwangerschaft muss oftmals durch die Entfernung des betroffenen Eileiters beendet werden.

Schließlich gilt es noch Zwillings- und Drillingsschwangerschaften als mögliche Komplikation zu nennen. Da das deutsche Embryonenschutzgesetz den Transfer von bis zu drei Embryonen in die Gebärmutter erlaubt, kommt es immer wieder zu solchen Mehrlingsschwangerschaften, die leider weder für die Kinder noch für die Mutter ungefährlich sind.

Abschließend stellt sich die Frage, welche Auswirkungen eine künstliche Befruchtung auf die Gesundheit der Frau hat.

Ich habe hierzu über eine Studie berichtet, die der Frage nachgegangen ist, ob eine IVF das Risiko auf Brustkrebs erhöht. Weiterhin habe ich einen Beitrag über die Behandlungsmethode der In vitro Maturation geschrieben, die versucht, die Stimulationsbehandlung im Vorfeld einer künstlichen Befruchtung zu umgehen. Auch Informationen zu einem möglichen erhöhten Herz-Kreislauf-Risiko nach erfolglosen IVF oder ICSI Behandlungen kannst du hier finden.

Wie hoch sind die Erfolgsaussichten?

Das Ziel einer künstlichen Befruchtung besteht in der Geburt eines gesunden Kindes.

Die Geburtenrate nach einer IVF liegt dem deutschen IVF-Register zufolge bei 15 bis 20 Prozent pro Behandlungszyklus.

Die Erfolgsaussichten sind jedoch in hohem Maße vom Alter der Frau, der bestehenden Fruchtbarkeitsstörung und der Anzahl der transferierten Embryonen abhängig.

Du kannst genaue Zahlen zum Thema künstliche Befruchtung dem Deutschen IVF-Register entnehmen. Seit 1992 werden von vielen deutschen Kinderwunschkliniken gelieferten Daten in dem Jahrbuch des Deutschen IVF-Registers dargestellt.

Oder Du kannst OPIS verwenden, ein IVF Erfolgschancen Rechner  der University of Aberdeen.

Künstliche Befruchtung: Kosten

Beim Thema Kosten einer IVF Behandlung muss man zwischen gesetzlich versicherten und privat versicherten Paaren unterscheiden.

Behandlungskosten für gesetzlich versicherte Paare

Für Patienten, die Mitglied einer gesetzlichen Krankenkasse sind, gilt derzeit, dass 50% der Kosten der Behandlung, der Medikamente und Hormonpräparate von der Krankenlasse übernommen werden. Die anderen 50 % müssen von den betroffenen Paaren selbst gezahlt werden.

Aufgepasst:

Einige gesetzliche Krankenkassen erstatten mehr als 50% der Kosten für eine IVF oder ICSI Behandlung. Manche Kassen übernehmen unter bestimmten Voraussetzungen sogar die vollständigen Kosten.

Eine aktuelle Liste dieser Krankenkassen  kann ich Dir in Form einer Tabelle hier Verfügung stellen.

Damit sich die gesetzliche Krankenkasse an den Kosten in diesem Rahmen beteiligt, müssen folgende Voraussetzungen gegeben sein:

  • Das Paar ist miteinander verheiratet
  • Die Frau ist zwischen 25 und 40 Jahre alt
  • Der Mann ist zwischen 25 und 50 Jahre alt
  • Weder Frau noch Mann haben eine Sterilisation durchführen lassen
  • Es wird kein Spendersamen verwendet

Des Weiteren ist die Zahl der Behandlungszyklen begrenzt, für welche die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten zur Hälfte übernehmen.

So übernimmt sie anteilig die Kosten für maximal:

  • 8 Inseminationszyklen ohne hormonelle Stimulation / Spontanzyklus oder
  • 3 Inseminationszyklen mit hormoneller Stimulation oder
  • 3 IVF-/ICSI-Behandlungszyklen

Du kannst die Richtlinien über ärtzliche Maßnahmen zur künstlichen Befruchtung hier nachlesen. Vor Beginn der Behandlung muss ein schriftlicher Antrag bei der Krankenkasse gestellt werden.

Behandlungskosten für IVF und ICSI sorgfältig recherchieren

Recherchiere die Behandlungskosten für eine IVF oder ICSI sorgfältig!

Behandlungskosten für privat versicherte Paare

Privat versicherte Patienten bekommen in der Regel dann sämtliche Kosten erstattet, wenn der Partner, auf dessen Erkrankung die Infertilität zurückzuführen ist, privat versichert ist.

Auch bei privaten Krankenversicherungen ist eine Kostenübernahme an bestimmte Bedingungen geknüpft.

Die private Krankenkasse übernimmt in der Regel alle Kosten für eine Kinderwunschbehandlung bei Ihrem Versicherten, wenn

  • beide Partner miteinander verheiratet sind
  • bei keinem der Ehepartner eine Sterilisation durchgeführt wurde
  • über das 40. Lebensjahr der Frau hinaus, wenn die Chance auf eine Schwangerschaft größer als 15 % beträgt

Das Einfrieren von Eizellen sowie der Transfer von kryokonservierten Embryonen müssen grundsätzlich selbst bezahlt werden.

Abschließend möchte ich betonen, dass eine Auflistung der konkreten Rechnungssummen schwierig ist, da sie sehr stark vom Leistungsumfang und von den verordneten Hormonpräparaten abhängen.

Es steht allerdings fest, dass eine IVF oder ICSI meist mehrere tausend Euro kostet.

Es macht deshalb Sinn sich im Vorfeld umfassend zu informieren und die behandelnde Kinderwunschklinik um einen Kostenvoranschlag zu bitten.

Herzliche Grüße

Silke

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Literatur:

Assisted Reproductive Technologies: A Guide for Patients. American Society of Reproductive Medicine. Accessed online July 24, 2011. http://www.asrm.org/uploadedFiles/ASRM_Content/Resources/Patient_Resources/Fact_Sheets_and_Info_Booklets/ART.pdf

Risks of In Vitro Fertilization (IVF) Patient Fact Sheet. American Society of Reproductive Medicine. Accessed online July 24, 2011. http://www.asrm.org/uploadedFiles/ASRM_Content/Resources/Patient_Resources/Fact_Sheets_and_Info_Booklets/risksofivf.pdf


ICSI Erfahrungen: Kirstens Kiwu Tagebuch

ICSI Erfahrungen: Bist Du auf der Suche nach Erfahrungsberichten von Frauen, die eine ICSI Behandlung erlebt haben? Ich freue mich sehr, dass ich Kirsten kennengelernt habe. Kirsten führt ein Kinderwunsch Tagebuch und hat darin ihre letzte ICSI Behandlung dokumentiert. Herzlichen Dank an dich, liebe Kirsten,  dass du bereit bist uns an deinen ICSI Erfahrungen teilhaben zu lassen.

ICSI Erfahrungen: Einträge aus Kirstens Kinderwunsch Tagebuch

Die folgenden Kinderwunsch Tagebuch Einträge beginnen am ersten Tag der Stimlation und enden mit dem Tag des Schwangerschaftstests.

Die Vorbereitungen auf die Kinderwunschbehandlung beginnen

Montag, 26.9.2016

Heute war Ultraschall und Blutabnahme.

Im Wartezimmer saßen mal wieder alle Frauen mit Begleitung.

Da fühlt man sich gleich so richtig einsam.

Aber unsere Ärztin hat meine Laune gleich aufgebessert mit ihrer freundlichen und lockeren Art.

Und sie hat grünes Licht für unsere zweite IVF (oder vielleicht auch ICSI) gegeben.

Jetzt heißt es auf die Regel warten.

Ich könnt grad platzen vor Freude. Nur die Rechnung in der Apotheke hat die Freude ein bisschen getrübt. Dabei waren das nur die Medikamente für eine Woche.

Beginn der Stimulation

Samstag, 1.10.2016

Die Blutung hat gestern morgen eingesetzt. Ich habe mich früher nie so über meine Regel gefreut.

Das heißt heute Abend fange ich mit den ersten Spritzen an.

Das bedeutet 150 Einheiten Puregon (harmlos) und 1ml Menogon (grauenhaft und schmerzlich). Jetzt müssen wir unseren Tagesablauf wieder nach den Spritzen richten.

Aber wir starten voller Hoffnung auf unser Wunder.

Montag, 3.10.2016

Ich kann wieder mal nicht schlafen, da mir alle möglichen Gedanken durch den Kopf gehen.

Was ist wenn es wieder nicht klappt? Die Angst ist so verdammt groß!

Mein Mann kann das alles so locker sehen und macht sich keinen großen Kopf.

Ich verstehe ihn da einfach nicht.

Und dann habe ich schon die ersten blauen Flecke am Bauch. Das heißt für mich eine neue Einschlafposition finden.

Hoffentlich sagt die Ärztin am Freitag alles ist gut und nur noch eine Woche stimulieren.

Ich glaube 3 Wochen halte ich nicht schon wieder aus!

Dienstag, 4.10.2016

Ich ertrage mich heute selber nicht.

Ich habe heute absolut keine Geduld. Alles und jeder nervt mich. Meinen PC würde ich am liebsten aus dem Fenster schmeißen, mich ins Auto setzen und mich nach Hause in mein Bett verkrümeln.

Ich weiß nicht, ob es noch von der letzten Stimulation kommt oder ob es mir dieses Mal einfach mehr zu schaffen macht. Meine Kollegen haben zum Glück Verständnis dafür.
Mein Mann leidet mit mir mit. Vor allem wenn die Spritzen wieder mal so weh tun oder brennen.

Stell ich mich nur so an oder geht es anderen auch so?

Mittwoch, 5.10.2016

Jetzt heißt es morgens auch noch eine Spritze Orgalutran. Zum Glück kann meine Kollegin mich spritzen. Mein innerer Schweinehund ist einfach zu groß, um mich  selbst zu spritzen.

Ich hasse Spritzen!

Manchmal frag ich mich in einem stillen Moment, ob es das alles wert ist.

Aber dann denk ich an so ein kleines Würmchen und ich weiß, dass es sich lohnen wird!

Auch wenn das Zwicken im Unterleib und meine schlechte Laune heute was anderes sagen.

Meine Katzen merken auch wieder, dass etwas anders ist als sonst und sind total anhänglich und spenden Trost.

Genau das ist es, was ich heute brauche.

Donnerstag, 6.10.2016

Meine Gefühle fahren Achterbahn und heute ist so ein richtig beschissener Tag, an dem ich Alles am liebsten hinschmeißen möchte.

In dem einen Moment bin ich super drauf und voller Hoffnung und im nächsten könnte ich heulen und weiß, das alles umsonst sein wird.

Warum bekommen Frauen, die ihre Kinder umbringen oder vernachlässigen ein Kind nach dem anderen?

Und wir bekommen keins.

Dabei würden wir für unser Kind alles machen!

Ihm oder ihr das beste Leben ermöglichen.

Ich kann noch nicht mal mehr kleine Kinder im Fernsehen sehen ohne unendlich traurig zu werden.

Es ist einfach alles nicht fair.

Ultraschall Termin: Wie viele Eibläschen haben sich entwickelt?

Freitag, 7.10.2016

Heute ist ein richtig guter Tag.

Nicht nur mein letzter Arbeitstag vor meinem Urlaub, auch die Ärztin war super zufrieden.

Ich mußte zwar wieder ohne meinen Mann in die Klinik aber zum Glück war es noch nicht so voll.

An dem linken Eierstock sind schon 14 Eibläschen. Rechts leider nur 7,  aber das wird reichen.

Und dann sagte meine Ärztin,  das die Punktion wahrscheinlich schon nächste Woche stattfinden kann.

Ich hätte sie am liebsten vor Freude umarmt.

Beim letzten Mal mußten wir 3 Wochen stimulieren.

Ich könnte gerade platzen vor Freude!

Jetzt muß ich Montag wieder zur Kontrolle und erfahre mehr.

Ich zähle die Tage, die wir noch spritzen müssen.

2. Ultraschall Termin: Geht es positiv weiter?

Montag, 10.10.2016

Das Wochenende war ein Auf und Ab. Mal hatte ich gute Laune und im nächsten Moment bin ich explodiert. Dafür musste mein Mann einfach nur „falsch“ gucken.

Und die Schmerzen gehen auch nicht mehr weg. Mein ganzer Unterleib tut weh.

Dafür hatte ich heute morgen in der Klinik wieder Glück und es sitzen nur Frauen im Wartezimmer.

Und die Ärztin ist sowas von begeistert. Es funktioniert dieses Mal sogar besser als geplant.

Heute Abend um 0:00 Uhr müssen wir mit der letzten Spritze den Eisprung auslösen und Mittwoch ist dann schon Punktion.

Jetzt steigt die Aufregung wieder und die nächsten zwei Nächte werde ich bestimmt nicht schlafen können.

27 Spritzen in 11 Tagen für unseren Wunschkind.

Eisprung auslösen und mal wieder warten

Dienstag, 11.10.2016

Wir haben vor 1 1/2 Stunden den Eisprung ausgelöst. Mein Mann hat sich nach dem Spritzen umgedreht und ist gleich wieder eingeschlafen.

Ich liege hier jetzt und wälze mich hin und her.

Ich stell mir vor wie es sein wird, wenn der Schwangerschaftstest positiv sein wird und wie es wird wenn er negativ ausfällt.

Ich möchte über ein negatives Testergebnis eigentlich nicht nachdenken und hab schon alles versucht um es aus meinem Kopf zu bekommen.

Aber nichts hilft. Und die ständigen Schmerzen im Unterleib machen sowieso jede Ablenkung unmöglich.

Ich weiß echt nicht wie ich die nächsten 2 1/2 Wochen durch stehen soll.

Eizellpunktion: Wie viele Eizellen werden es sein?

Mittwoch, 12.10.2016

Heute war die Punktion der Eizellen.

Ich war dieses Mal so dolle aufgeregt. Konnte die ganze Nacht wieder nicht schlafen.

Vor der Punktion habe ich meinem Mann geholfen, damit er die Spermaprobe abgeben kann.

Wenn ich nicht dabei bin hat er sehr dolle Probleme, weil er die ganze Zeit an mich denken muss.

Danach hieß es dann ab auf den OP Tisch.

Als ich vorbereitet wurde hätte ich am liebsten geheult vor Aufregung. Dabei sind die da alle so super nett und freundlich.

Das Ganze hat ca. eine halbe Stunde gedauert und mein Mann durfte danach gleich zu mir.

Die Dame aus dem Labor sagte uns auch gleich, dass 14 Eibläschen punktiert werden konnten.

Ab diesem Zeitpunkt hatte ich ein Dauergrinsen im Gesicht.

Nunwaren mir auch die heftigen Schmerzen und die leichte Blutung egal.

Nach ca. einer Stunde kam unsere Ärztin, um nach mir zu schauen.

Es waren schon 8 reife Eier dabei.

Und bei den restlichen Eizellen besteht die Hoffnung, dass sie noch reif werden.

Leider war das Sperma meines Mannes wieder nicht so gut, so dass eine ICSI gemacht werden muss.

Ade Weihnachtsgeld, hallo große Hoffnung auf unser Wunder!

Nachdem mein Kreislauf einigermassen ok war, durften wir wieder nach Hause.

Auf dem Weg nach Hause hat mein Mann mir noch schnell etwas zu essen besorgt. Essen gegen den niedrigen Blutdruck und meinen knurrenden Magen.

Nachdem ich alles verputzt hatte, habe ich mich mit meinen Katzen aufs Sofa gekuschelt und geschlafen.

Jetzt heißt es auf den Anruf aus dem Labor warten und am kommenden Montag findet der Transfer statt.

Also ein paar Tage entspannen bevor das große Hibbeln wieder los geht.

Donnerstag, 13.10.2016

3 schöne Eizellen haben sich befruchten lassen.

Davon bekomme ich am kommenden Montag zwei Stück eingesetzt nach dem „Laser Hutching“ und „Embryo Glue“.

Das müssen wir zwar wieder alles selber zahlen aber das ist es mir wert.

Die Schmerzen sind heute einigermassen mit Schmerztabletten auszuhalten. Nur mein Kreislauf spielt noch komplett verrückt. Das wird heute ein Sofa Tag.

3 Narkosen in einem Jahr und dazu die ganzen Medikamente und Hormone.  Mein Körper hat offenbar die Nase voll davon.

Embryotransfer: Das Wunder kann nun bitte kommen

Montag, 17.10.2016

Das Wochenende hab ich komplett auf dem Sofa verbracht. So tat mir nichts weh und die Motivation für etwas anderes war eh nicht da.

Heute hab ich meine zwei Embryonen eingesetzt bekommen.

Es war wieder so ein schöner Moment, den ich dieses Mal mit meiner Mama zusammen erlebt habe.

Am Anfang hatte die Ärztin Probleme meine Gebärmutter zu finden aber nachdem ich ein bisschen Wasser lassen durfte, klappte alles.

Jetzt wird Freitag mein Progesteronwert überprüft und nächsten Freitag bekommen wir das Ergebnis.

Ich bete, dass wir dieses Mal unser Wunder bekommen.

Ich ziehe meinen Hut vor den Frauen, die das alles so oft durch machen.

Meine Kraft ist jetzt schon am Ende

Warten, aushalten und die Hoffnung nicht verlieren

Mittwoch, 19.10.2016

Ich kann an nichts anderes mehr denken.

Abends und morgens leg ich mir eine Spieluhr auf den Bauch und lasse sie spielen. Das beruhigt mich ein bisschen und ich hoffe, zumindest ein Embryo bleibt bei mir.

Mein Bauch ist auch so dick von der Wassereinlagerung.

Ich komme mir total hilflos vor.

Da ich diese Woche auch noch krank geschrieben bin, verbringe ich die meiste Zeit mit meinen Katzen auf dem Sofa. Sobald ich länger stehe oder sitze tut mir der ganze Unterleib weh.

Meine Katzen genießen die Zeit, aber ich mag und kann bald nicht mehr.

Warum dauert die Wartezeit bis zum Schwangerschaftstest nur so lange???

Freitag, 21.10.2016

Meine Brustwarzen bringen mich um!!!

Es darf wirklich gar nichts dran kommen. Sonst geh ich an die Decke.

Und in der Nacht weiß ich nicht wie ich liegen soll. Eigentlich schlafe ich gerne auf dem Bauch.

Sonst geht es von den Schmerzen. Immer mal wieder links oder rechts ein Ziehen.

Heute fand der Bluttest von meinem Progesteronwert statt.

Leider ist der wie beim letzten Mal schon wieder nicht so gut ausgefallen.

Das bedeutet: Zusätzlich zu den 3 Zäpfchen Progesteron pro Tag muss ich jetzt noch 3 x 2 Tabletten Utrogest und 3 x 1 Tablette Progynova nehmen.

Ich hoffe diese ganzen Hormone bringen etwas!

Samstag, 22.10.2016

Heut sind wir zur Ablenkung nach Holland zum Bummeln gefahren.

Ich bin mittlerweile sehr hibbelig und mache mir nur ständig Gedanken, wenn ich zu Hause sitze.

Unser Ausflug war für mich nur sehr anstrengend, da ich durchgehend ein Ziehen im Unterleib habe. Und die Tabletten versuchen ein ziemliches Schwindelgefühl.

Das wird eine schreckliche Woche werden.

Zum Glück haben mein Mann und ich Urlaub.

Noch ganze 5 Tage bis zum Bluttest.

Dienstag, 25.10.2016

Ich kann es kaum noch erwarten bis Freitag.

Nachts liege ich wach und mache mir Gedanken.

Ich habe irgendwie ein schlechtes Gefühl und das macht mich wahnsinnig.

Ich hab immer wieder ein Ziehen im Unterleib. Vielleicht macht mir auch das ständige Ziehen im Bauch so ein schlechtes Gefühl.

Ich würd mir am liebsten ein Frühtest holen, aber mein Mann hat es mir verboten.

Er hat Angst das er ein falsches Ergebnis anzeigt und ich mich dann noch mehr verrückt mache.

Donnerstag, 27.10.2016

Ich bin kurz vorm Durchdrehen!

Noch ca. 24 Stunden aber die ziehen sich wie Gummi. Unendlich lang.

Und mein Gefühl wird immer schlechter.

Die Schmerzen im Unterleib fühlen sich an als wenn meine Regel kommt.

Und mein Mann ist total gelassen. Ich würd sooo gern mit ihm tauschen-

Der Schwangerschaftstest: Hat sich die ICSI Behandlung gelohnt?

Freitag, 28.10.2016

Da ich die ganze Nacht vor Aufregung nicht schlafen konnte, war ich um halb acht schon zur Blutabnahme.

Um kurz vor neun kam schon der erlösende Anruf:

Wir sind schwanger.

WIR SIND SCHWANGER!!!!

Ich kann es noch gar nicht glauben.

Ich zitter am ganzen Körper und weine vor Freude.

Mein Mann ist total geschockt und hat Angst das wir Zwillinge bekommen.

Wir haben beide absolut nicht damit gerechnet.

In zwei Wochen ist der erste Ultraschall.

Ich bin grad der glücklichste Mensch auf der Welt.

Liebe Kirsten, herzlichen Glückwunsch zur Schangerschaft!

Ich habe mit dir mitgefiebert und mich uenendlich über das positive Ergebnis gefreut.

Du möchtest dein Kinderwunsch Tagebuch weiterführen und willst uns weiter an deinen ICSI Erfahrungen und deiner Schwangerschaft teilhaben lassen.

Das heißt: Bald wird es hier eine Fortsetzung deiner Geschichte geben und wir dürfen sie hautnah miterleben.

Ich drücke dir und deinem Mann die Daumen und bin sehr gespannt wie euer Kinderwunschweg weitergeht.

Herzliche Grüße

Silke

Weiterlesen:

Künstliche Befruchtung: 3 Schritte für das richtige Mindset

Einnistungsschmerz: Kann man die Einnistung spüren?

Gewünschtestes Wunschkind komm 2017!

Foto: Pixabay: Unsplash

 

Endometriose & Kinderwunsch: Der lange, steinige Weg zu den Wunschkindern

In all den Jahren, in denen ich mich mit dem Thema Kinderwunsch beschäftige, habe ich viele liebe Menschen kennengelernt.

Eine davon ist Franziska und sie hat uns ihre Kinderwunschgeschichte aufgeschrieben. Franziska beschreibt wie sie trotz Endometriose ihren Kinderwunsch nicht aufgegeben hat und heute Mutter von Zwillingen ist. Ich freue mich sehr, dass sie uns über ihre persönlichen Erfahrungen zum Thema Endometriose & Kinderwunsch berichtet.

Endometriose & Kinderwunsch: Der lange, steinige Weg zu den Wunschkindern

Im Alter von 19 Jahren, bekam ich, nach langer Schmerz Odyssee, die Diagnose Endometriose. Damals wurde ein goßer Bauchschnitt gemacht und leider auch sehr viel Ovarialgewebe zerstört.

Doch was ist Endometriose und was bedeutet es für meine weitere Zukunft?!

Meine Mutter litt unter Endometriose und wusste sehr schnell, welche Probleme auf ihre Tochter zukommen werden. Die Ärzte rieten mir so schnell wie möglich schwanger zu werden. Ich befand mich aber kurz vor meinem Examen und Familienplanung stand noch lange nicht zur Diskussion. Ich war zwar schon mit meinem jetzigen Mann zusammen, doch stand für mich fest zuerst meine beruflichen Pläne umzusetzen zu wollen.

Es folgten unzählige Hormontherapien, die mehr oder weniger starke Nebenwirkungen hervorriefen. Starke Stimmungsschwankungen, Gewichtszunahme und immer wieder das große Fragezeichen nach Kindern.

So zogen die Jahre ins Land und wir beschlossen knapp 8 Jahre nach der Diagnose zu heiraten.

Dann startete der erste ICSI Versuch und wir waren voller Hoffnung.

Der erste Schock kam, mit dem Ergebnis des Spermiogrammes meines Mannes. Diagnose Azoospermie, er hat so gut wie keine Spermien. Dann die nächste Klatsche, die Hormonstimulation bei mir gestaltete sich sehr schwierig. Ich reagierte kaum auf hohe Dosen FSH und produzierte in diesem Versuch nur drei Follikel.

Diagnose: Low Responder.

In der Nacht nach der Punktion träumte ich, dass das Kinderwunschzentrum anrufen und uns mitteilen würde, dass keine Eizelle befruchtet werden konnte.

Am nächsten Morgen sollten sich meine Befürchtungen bewahrheiten.

Keine Eizelle lies sich befruchten! Das war es dann!

Die nette Dame am Telefon fragte dann noch: Sollen wir schon einen nächsten Termin ausmachen?!

Nein, ganz bestimmt nicht. Wie konnte sie nur so etwas fragen? Ich hatte gerade so etwas Schreckliches erfahren und musste dass erst einmal verarbeiten.

Es wurde uns schnell klar, dass dieses Kinderwunschzentrum nicht mehr für uns in Frage kommt. Wir wollten keine weitere Nummer unter den unzähligen Kinderwunschpaaren in dieser Kinderwunschpraxis sein.

Zuerst stand nun an Kräfte zu sammeln. 2005 kauften wir ein Haus, schließlich sollte alles perfekt sein, wenn ein Kind kommt. Viel Zeit und Liebe haben wir in unser neues Heim gesteckt. Der Kinderwunsch stand jetzt einfach mal etwas weiter weg.

2009 wollten wir es jedoch wieder wagen.

Mein Gynäkologe, der uns seit 2004 begleitete, riet uns nach Meran (Südtirol) zu gehen. Dort hätte er einen Kollegen, der auch in Tschechien praktiziere.

Mein Gyn ahnte damals schon, dass es schwierig werden würde und zur Eizellspende oder Embryonenspende darf er in Deutschland nicht beraten.

So starteten wir im März 2009 in Richtung Meran. Mein Mann und ich verreisen sehr gerne und wir haben versucht, das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden. Der Arzt in Meran stellte eine sehr ausführliche Anamnese.

Nach einer gründlichen Sichtung meiner Befunde und der gynäkologischen Untersuchung sprach er es aus:

„Haben Sie schon über eine Eizellspende nachgedacht?“

Im ersten Moment dachte ich, ich falle vom Stuhl!

Wie aus der Pistole geschossen brach es auch mir heraus:

“So etwas kommt für uns nicht in Frage, wo kommen wir denn da hin!“

Nach diesem „Auftritt“ war ich noch gefrusteter als ohnehin schon.

Nichts funktioniert in meinem Körper wie es eigentlich soll.

Ich habe ständige Schmerzen und nicht einmal das Natürlichste auf der Welt bekomme ich hin.

Wir beschlossen einen Ausflug ins Thermalbad in Meran zu machen. Dort war ich immer noch sehr erbost über die Frage des Arztes.

Mein Mann fragte mich:

Wenn es doch aber für uns die einzige Möglichkeit ist ein Kind zu bekommen, warum ist das denn so schlimm für dich?!

Jetzt hatten sich wohl alle gegen mich verschworen.

Ich musste sehr mit den Tränen kämpfen und wollte so schnell es ging, in unsere Unterkunft zurück.

Dort schloss ich mich erst einmal für eine längere Zeit im Schlafzimmer ein. Mein Mann lies mich auch in Ruhe.

Doch wie konnte es nur weiter gehen?

An diesem Abend führten wir lange Gespräche und kamen dann letztlich zum Entschluss, dass wir noch einen eigenen Versuch unternehmen wollten. Sollte dieser nicht klappen wollten wir uns über die weiteren Möglichkeiten wie die Eizellspende informieren. 

Im August 2009 folgte in Plzen (CZ) unser zweiter Versuch. Die Ernüchterung kam schnell, schon beim Eizellen-TV (Ultraschall zur Follikelreife) wurde klar, es war trotz höchster FSH Stimulation nur EIN Follikel zu sehen.

Die Ärztin riet uns zum Abbruch. Zeitgleich sprach sie wieder das Thema Eizellspende an.

Aber wir wollten diesen Versuch unbedingt durchziehen.

Besser eine eigene Eizelle als keine, sagte ich mir in diesem Moment!

Wir hatten dann tatsächlich nur eine Eizelle und auch brauchbares Sperma.

Die Hoffnung war gering, aber dennoch wieder da! Am Tag des Transfers hatte ich einen 12Zeller in C Qualität.

Der Schwangerschaftstest war negativ!

Dann kam ein riesengroßes Loch, Tage die ich nur weinend verbrachte. Mit unendlichem Hass auf meinen Körper. Ich hätte mir am liebsten einen Dolch in den Bauch gerammt.

Nach den vielen Tränen und einem großen Jammertal, schöpfte ich doch wieder Mut und wir setzten uns Ende 2009 zusammen an den Rechner und recherchierten alles zum Thema Eizellspende.

Die Hoffnung wurde wieder größer.

Ich meldete mich in Foren an, in denen viele Paare diesen Weg gegangen sind.

Und dann haben wir sie gefunden: Die Klinik, die uns auf diesem Weg begleiten sollte. Da unsere finanziellen Mittel nahezu erschöpft waren, entschlossen wir uns für Tschechien. Dort waren wir ja schließlich schon einmal und hatten positive Erfahrungen gesammelt.

Ich schrieb eine Mail und bekam innerhalb von ein paar Stunden Antwort. Die Koordinatorin schrieb mir, dass die Wartezeit um eine geeignete Spenderin zu finden, gegenwärtig bei 11 Monaten liegt.

In diesen 11 Monaten lebten wir ganz intensiv.

Wir reisten, schliefen aus, haben uns die Nächte um die Ohren geschlagen. Ich wollte einfach frei und nicht wieder gefangen sein vom Thema Kinderwunsch.

Der Gedanke, dass dieses Kind nicht meinen genetischen Code haben würde, war mir völlig egal.

Es war die letzte Chance und die wollte ich uns nicht entgehen lassen. Ich wusste, dass mein Mann hinter diesem Entschuss stand und somit gab es kein Halten mehr.

Die hormonelle Stimulation bei der Eizellspende ist nicht so belastend für den Körper.

Die Zyklen von Spenderin und Empfängerin werden synchronisiert, meist mit der Pille oder der sogennanten Downregulation.

Es lief alles nach Plan. Zwar war meine Gebärmutterschleimhaut nicht so gut aufgebaut, aber, es lief nach Plan.

Am Abend unserer Abreise nach CZ im Oktober 2010 bekam ich dann allerdings meine Periode.

Nein, dass darf doch jetzt nicht sein. Wieso bekomme ich jetzt meine Periode unter Hormonen?! Die mühevoll aufgebaute Gebärmutterschleimhaut war dahin.

Ich habe die knapp 1000 km bis zur Klinik weinend im Auto gesessen.

In der Klinik waren alle sehr emphatisch und die Ärztin nahm sich sehr viel Zeit für uns.

Der Spenderin konnten13 Eizellen entnommen werden, ein tolles Ergebnis. Nur ich hatte wieder einmal versagt!

Der Transfer musste verschoben werden, da die Gebärmutterschleimhaut gänzlich abgeblutet war.

Etwas Positives gab es dann doch: Das Spermiogramm meines Mannes war etwas besser.

Letztlich blieben jedoch von den 13 Eizellen „nur“ zwei übrig, die befruchtet werden konnten.

Die große Chance war damit wieder minimiert, da wir keinen Frischversuch hatten und die befruchteten Eizellen erst einmal eingefroren werden mussten. 

Im April 2011 sollte dann unser Kryo Transfer stattfinden.

Die Gebärmutterschleimhaut hatte sich erneut schlecht aufgebaut. Es reichte gerade so, um die zwei Eisbärchen zu transferieren.

Das Ergebnis des Schwangerschaftstests: Wieder negativ.

Wie konnte es jetzt nur weitergehen?

Es erfolgte eine immunologische Untersuchung, beim nächsten Versuch sollte ich Heparin spritzen und meine Schilddrüse musste besser eingestellt werden.

Mein Gyn, der uns immer begleitete, riet mir zur erneuten Bauchspiegelung (Laparoskopie).

Ich willigte ein und im Dezember 2011 nach der OP traf mich fast der Schlag.

Die Endometriose hatte wieder voll zugeschlagen. Ich musste erneut ein halbes Jahr Hormone nehmen und im August 2012 folgte die zweite OP. Mein Gynäkologe hatte große Probleme, die endlosen Verwachsungen zu lösen. Meine Gebärmutter war regelrecht verbacken mit den Nachbarorganen.

Nach der OP sollten wir maximal ein halbes Jahr warten, bevor wir mit einem  weiteren Versuch starteten.

Mein Mann hatte in der Zwischenzeit noch zwei weitere Spermiogramme machen lassen.Und diese vielen sehr schlecht aus.

Es erschien uns zwecklos mit solch einem Ergebnis einen weiteren Versuch zu machen.

Was jetzt?

Eine TESE (Testikuläre Spermienextraktion) hatte keinen Sinn, dies bekamen wir von zwei Urologen bestätigt.

Es blieb jetzt nur noch die Embryonenspende.

Ein genetisch fremdes Kind.

Ja, aber ein geliebtes Kind. Egal, von wem die Gene stammen.

Im Februar 2013 fand unsere erste Embryonenspende statt.

Meine Gebärmutterschleimhaut baute sich dieses Mal perfekt auf.

Es ging mir physisch und psychisch einfach total gut. Wir hatten uns darauf geeinigt, dass es unser letzter Versuch sein sollte.

Am 15.02.13 hatte ich den ersten positiven Schwangerschaftstest in meinen Händen.

Ich konnte es nicht glauben. Endlich, nach so vielen Jahren und so vielen Niederschlägen.

Nach einer anstrengenden Schwangerschaft mit Blutungen und vorzeitigen Wehen bekamen wir im September 2013 Zwillinge.

Dies ist unser lange und steinige Weg zu unseren Wunschkindern, der sich für uns absolut gelohnt hat.

Vielen Dank Franziska, dass du uns so offen deine persönliche Kinderwunschgeschichte erzählt hast.

Ich habe beim lesen Gänsehaut bekommen.

Deine Geschichte lässt zutiefst nachempfinden, was es bedeutet kann, wenn ein Paar Endometriose, Azoospermie und Kinderwunsch aushalten muss. Bei euch hat sich aber der lange Weg und das Durchhalten absolut gelohnt.

Ich wünsche dir und deiner Familie auf eurem weiteren Weg alles Gute.

Gerne kannst du Franziska einen Kommentar hinterlassen (auf der Seite ganz unten).

Foto: Pixabay: Unsplash

Endometriose & Schwangerschaft nach IVF: Bestehen höhere Risiken?

Endometriose bedeutet für viele Frauen, dass der Weg zu einer Schwangerschaft oft nur durch eine IVF ermöglicht werden kann. Doch haben Frauen mit Endometriose auch ein erhöhtes Risiko für Komplikationen innerhalb der Schwangerschaft? Eine neue Studie aus Italien liefert interessante Erkenntnisse.

Was ist Endometriose?

Endometriose ist eine gutartige, meist schmerzhafte Erkrankung, bei dem Gewebe aus Gebärmutterschleimhaut außerhalb der Gebärmutter auftritt. Diese überflüssige Gebärmutterschleimhaut nistet sich im Bauchraum ein. Sie findet sich beispielsweise im Bauchfell, den Eierstöcken und Eileitern, und bildet dort gutartige Wucherungen, die zyklusabhängig wachsen.
Schätzungsweise zwei Millionen Frauen in Deutschland sind an Endometriose erkrankt, jedes Jahr kommen rund 40 000 dazu.

Endometriose: Die Symptome

Die Beschwerden bei Endometriose reichen von krampfartigen und starken Schmerzen während der Menstruation, beim Geschlechtsverkehr, permanenten Schmerzen im Unterbauch, Blutungsstörungen, Rückenschmerzen bis zu Schmerzen beim Wasserlassen oder Stuhlgang. Des Weiteren können sich schmerzhafte Zysten an den Eierstöcken bilden. Oft beginnt die Erkrankung in der Pubertät und endet erst mit den Wechseljahren.

Endometriose & Schwangerschaft

Leider geht die Endometriose oft mit unerfülltem Kinderwunsch einher. Sie stellt die häufigste Ursache für eine ausbleibende Schwangerschaft bei Frauen mit Kinderwunsch dar.

Doch bedeutet dies nun zwangsläufig, dass eine Frau mit Endometriose und IVF Behandlung auf jeden Fall mit einer Risikoschwangerschaft zu rechnen hat?

Schwangerschaft nach IVF: Italienische Metaanalyse

Eine neue Studie von Wissenschaftlern aus Milan (Italien) kommt zu dem Ergebnis, dass es kein erhöhtes Schwangerschaftsrisiko für Endometriose-Patientinnen nach IVF gibt.
Die italienischen Forscher führten hierzu eine Metaanalyse durch, das heißt sie untersuchten bereits vorhandene Studien.
Dabei verglichen sie die Schwangerschaftsverläufe von Frauen, die sich einer IVF Behandlung unterziehen mussten.

Die eine Gruppe bildeten hierbei 239 Frauen mit Endometriose, die Kontrollgruppe bestand aus 239 Frauen ohne diagnostizierte Endometriose.
Bei den Frauen mit Endometriose wurde die Erkrankung im Rahmen von Ultraschalluntersuchungen während der IVF festgestellt oder die Frauen konnten eine Endometriose OP nachweisen.
Weiterhin wurden in die Gruppe der Frauen mit Endometriose nur diejenigen Frauen mit einbezogen, die eine über die 12. Schwangerschaftswoche hinausgehende Einlingsschwangerschaft erreicht hatten.

Endometriose: Schwangerschaft nach IVF

Die gute Nachricht: Die Metaanalyse der Wissenschaftler aus Milan ergab keine signifikanten Unterschiede zwischen den beiden Gruppen.
Sowohl die Anzahl der Frühgeburten mit 14 Prozent als auch das Auftreten von Erkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes oder auffallend leicht- oder schwergewichtigen Neugeborenen war in beiden Gruppen gleich hoch zu verzeichnen.
Es konnte lediglich bei den Frauen mit Endometriose eine um 6 Prozent häufigere Fehllage der Plazenta in der Nähe des Muttermundes (Placenta praevia) festgestellt werden.
Durch diese Position kann die Plazenta einen Teil oder sogar den kompletten Muttermund überdecken und somit den Geburtskanal blockieren.
Die Frauen ohne Endometriose zeigten diese Fehllage des Mutterkuchens nur in 1 Prozent der Fälle auf.
Insgesamt stimmen diese Ergebnisse sehr positiv.
Frauen mit Endometriose haben neben den Symptomen einer chronischen Unterleibserkrankung und den erschwerten Bedingungen, um schwanger zu werden, offenbar nicht mit erhöhten Risiken während der Schwangerschaft zu rechnen.

Herzliche Grüße

Silke

Literatur:
Ewald Becherer und Adolf E. Schindler (Hg.): Endometriose. Ganzheitlich verstehen und behandeln – ein Ratgeber. 2., vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage.
Kohlhammer 2010.

Johanna Helen: Leben mit einem Chamäleon. Endometrios mehr als nur Bauchschmerzen. Shaker Media 2011
Kathrin Steinberger: So leben wir mit Endometriose. Der Alltag mit der chronischen – Unterleibserkrankung. Edition Riedenburg 2013.

Benaglia L, Candotti G, Papaleo E, Pagliardini L, Leonardi M, Reschini M, Quaranta L, Munaretto M, Viganò P, Candiani M, Vercellini P, Somigliana E
Pregnancy outcome in women with endometriosis achieving pregnancy with IVF.
Hum Reprod. 2016 Sep 24. [Epub ahead of print]

Foto: Pixabay – TawnyNina

 

Menschen hautnah: Sehnsucht Kind. Ein Interview mit Janine

Die Sendereihe Menschen hautnah des WDR strahlte am 06.10.2016 von 22:40 – 23:25 Uhr die Reportage „Sehnsucht Kind – ein Paar gibt die Hoffnung nicht auf“ aus.

Ich hatte die Gelegenheit mit Janine im Vorfeld der Erstausstrahlung ein Interview zu führen.

Silke:

Liebe Janine, am 06. Oktober findet im WDR von 22:40 – 23.25 Uhr die Erstausstrahlung  von „Sehnsucht Kind“ statt.

Im Zentrum der Reportage stehen Du und Dein Mann Torben und Eure gemeinsame Kinderwunschzeit.

Was hat Dich und Deinen Mann dazu bewogen Euch von einem Fernsehteam für die Sendereihe „Menschen hautnah“ begleiten zu lassen?

Janine:

Als wir angefangen haben uns mit dem Thema Kinderwunsch näher zu befassen, haben wir schnell bemerkt, dass das ein Thema ist, über das gerne gesprochen wird.

Es standen uns viele Menschen mit sehr liebenswürdigen Geschichten und Ratschlägen zur Seite.

Mit jedem weiteren Zyklus nahm diese Teilnahme aber nach und nach ab.

Und sie erfuhr schließlich einen dicken Cut als wir uns entschieden haben eine Kinderwunschklinik aufzusuchen.

Von diesem Moment an konnten wir noch so offen über das Thema sprechen, unser soziales Umfeld hat sich zunehmend mehr verschlossen.

Obwohl es sich noch immer um denselben Wunsch, nämlich um unser Wunschkind handelte, wurde das Thema plötzlich nur noch mit gesenkter Stimme und hinter vorgehaltener Hand besprochen.

Als Kinderwunschpaar befindest du dich zu diesem Zeitpunkt in einer Lebensphase, die von vielen Hochs und Tiefs geprägt ist und in der die Hormone extrem Karussell fahren.

In dieser Zeit hätte uns die Unterstützung von Familie, Freunden und Bekannten sicherlich sehr viel Kraft und Halt gegeben.

In unserem Fall gab uns unser soziales Umfeld jedoch das Gefühl, dass wir lieber alles verheimlichen und möglichst niemanden öffentlich zu diesem Thema ansprechen sollten.

Denn was sollten nur die Nachbarn denken oder die Tante?

[bctt tweet=“Unerfüllter #Kinderwunsch ist immer noch ein großes Tabuthema.“ username=“kindeshalb“]

Wir sollten nicht weiter über die Themen Unfruchtbarkeit und Kinderwunschbehandlungen sprechen.

Und wir hatten schnell das Gefühl, dass uns mit diesen Reaktionen ein schlechtes Gewissen eingepflanzt wurde.

Dieses schlechte Gewissen sorgte bei uns dafür, dass wir uns permanent einem starken inneren Druck ausgesetzt fühlten.

In Gesprächen mit anderen Kinderwunschpaaren wurde uns dieser Umgang der Gesellschaft mit dem Thema Kinderlosigkeit durch ähnliche Erfahrungen immer wieder bestätigt.

Sogar in unserer eigenen Familie haben wir ein Paar, das durch die Hilfe einer Kinderwunschklinik bereits zum wiederholten Male den Geburtstag Ihres Kindes als Familie feiern durfte.

Allerdings weiß niemand von dem langen Kampf und der harten Kinderwunschzeit dieses Paares.

Als wir den Aufruf der Sendereihe Menschen hautnah in einer Kinderwunschgruppe bei Facebook gelesen haben, haben wir dies als unsere Chance gesehen das Thema endlich öffentlich zu machen.

Wir würden uns sehr wünschen, dass die Reportage „Menschen hautnah: Sehnsucht Kind“ zu mehr Bereitschaft für einen offenen Dialog und zu mehr Sensibilität für das  Thema führen würde.

Die Anzahl von Paaren mit unerfülltem Kinderwunsch ist groß und jedes dieser Paare sollte offen sprechen und auf die Feinfühligkeit und Offenheit seiner Mitmenschen setzen können.

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Silke:

Das Fernsehteam hat Euch 2 Jahre begleitet. Wie hast Du diese Zeit erlebt?

Janine:

Die letzten 2 Jahre kann ich als die erlebnisreichste und emotional belastendste Zeit in meinem Leben beschreiben.

Wir haben uns vor laufender Kamera in eine Kinderwunschklink begeben, ein Haus gebaut und beide einen beruflichen Wechsel vollzogen.

In dieser Zeit war Florian Aigner von Menschen hautnah immer an unserer Seite und hat uns Fragen gestellt, die wir uns selber so vielleicht nie gestellt hätten.

Durch seine außergewöhnlich einfühlsame Art und seinen hervorragenden Journalismus haben wir ihn zu keinem Zeitpunkt als Störfaktor angesehen.

Viele Gespräche waren sehr tiefgründig – wie mit einem guten Freund.

Durch diese Gespräche haben wir schnell angefangen uns selbst, aber auch unser Umfeld mit anderen Augen zu sehen.

Beeindruckend große Unterstützung für die Dreharbeiten kam von unseren Familien und engen Freunden, die ebenfalls für sehr intime Interviews zur Verfügung standen.

Den auch für sie war unsere Kinderwunschzeit emotional sehr aufwühlend, da unser Kinderwunsch auch ihr Familienleben und ihre Freundschaft zu uns betroffen und verändert hat.

Besonders in Erinnerung geblieben ist mir  der Moment, als uns das Fernsehteam bei unserem Richtfest filmte und Gäste aus diesem Grund nicht an der Feier teilnahmen.

Hier hätten wir uns mehr Unterstützung und Toleranz für unseren langen Kinderwunschweg gewünscht.

Es gab aber auch viele wirklich besondere Momente, die mir in Erinnerung geblieben sind.

Sehr spannend waren beispielsweise die  Dreharbeiten während unseres Urlaubs in Berlin.

Von einer Kamera begleitet das Brandenburger Tor zu besichtigten und dabei von anderen Touristen fotografiert zu werden war sehr außergewöhnlich und amüsant.

Silke:

Viele Kinderwunschpaare halten ihre Kinderwunschzeit oft aus Angst vor unsensiblen Kommentaren und vermeintlich guten Ratschlägen geheim.

Ihr geht einen anderen Weg.

Welche Wünsche habt Ihr beide im Hinblick auf die bald stattfindende Veröffentlichung Eurer Kinderwunschgeschichte?

Welche Reaktionen erhofft Ihr Euch?

Janine:

Wir wünschen uns von Herzen, dass wir anderen Kinderwunschpaaren Mut machen können.

Wir erhoffen uns mehr Feinfühligkeit und Toleranz  für dieses Thema und für die vielen Frauen und Männer, die dieses Schicksal betrifft

[bctt tweet=“Wir träumen von einer #Gesellschaft, in der das Thema #Kinderwunsch nicht mehr tabuisiert wird.“ username=“kindeshalb“]

In Deutschland werden viel zu wenig Kinder geboren.

Viele Paare wünschen sich von ganzem Herzen ein Kind und können kein Baby bekommen.

Ich würde mich sehr freuen, wenn das Schicksal diese Paare öffentlich wahrgenommen würde.

Und es wäre schön, wenn diese Paare auf ihrem Weg unterstützt werden würden.

Denn für viele Paare bedeutet der unerfüllte Kinderwunsch eine lange Leidenszeit, in der sie sich aus Angst vor den Reaktionen anderer nicht mal in Behandlung trauen.

Für uns selbst wünsche ich mir, dass Menschen aus unserem weiteren Umfeld verstehen lernen, was es wirklich  bedeutet ungewollt kinderlos zu sein.

Silke

Was würdest Du anderen Kinderwunschpaaren mit auf den Weg geben wollen? 

Janine:

In erster Linie, dass ihr euch niemals als Paar verliert!

Macht eure Probleme nicht alleine aus, sondern sucht das Gespräch mit eurem Partner oder einer vertrauten Person.

Wir bereuen beispielsweise sehr die Reisen, die wir aufgrund der Behandlungen abgesagt haben.

Nehmt euch Zeit für euch selbst und lasst eure Kinderwunschzeit nicht euer komplettes Leben bestimmen.

Wenn ihr merkt, dass es euch längere Zeit nicht gut geht, dann sucht euch professionelle Hilfe.

Hierzu kann ich euch das Beratungsnetzwerk Kinderwunsch Deutschland (BKiD) empfehlen.

Macht euch frühzeitig über einen Plan B Gedanken und gebt trotzdem die Hoffnung nicht auf.

Wir drücken jedem einzelnen Kinderwunschpaar die Daumen, dass es seinen Weg zum Wunschkind finden mag.

 

Liebe Janine, vielen herzlichen Dank für deine offenen Worte und deine Bereitschaft für ein Interview.

Danke für deine wertvollen Tipps und den Einblick in eine sicherlich außergewöhnliche Zeit deines Lebens.

Ich wünsche dir und deinem Mann für euren weiteren Weg ganz viel Glück, Kraft und dass es ihr bald euer Wunschkind in den Armen halten könnt.

Menschen hautnah: Sehnsucht Kind. Ein Paar gibt die Hoffnung nicht auf.

Hier kommt der Link zur Reportage:  Mediathek des WDR: Sehnsucht Kind.

Herzliche Grüße

Silke

 

In vitro Maturation: Verfahren, Erfolgsaussichten, Kosten

Du hast bestimmt schon von einer IVF oder von einer ICSI gehört, doch was ist eine In vitro Maturation?

Eine In vitro Maturation ist eine alternative Behandlungsmethode in  der Reproduktionsmedizin, die es ermöglicht ohne vorherige Hormonstimulation unreife Eizellen zu gewinnen.

Im Folgenden habe ich für Dich genaue Informationen zum Verfahren, den Chancen und Risiken, den Erfolgsaussichten und den Kosten zusammengetragen.

Was bedeutet In vitro Maturation?

Der Begriff In-vitro-Maturation kommt aus dem Lateinischen und bedeutet übersetzt Eizellreifung im Reagenzglas.

Und damit ist eine Beschreibung dieser Methode direkt im Namen enthalten:

Bei einer IVM werden der Frau unreife Eizellen entnommen, die anschließend im Reagenzglas mit Hilfe einer speziellen Nährlösung nachreifen können.

Diese Vorgehensweise scheint auf den ersten Blick für Frauen mit Kinderwunsch sehr attraktiv zu sein.

Im Gegensatz zu einer IVF benötigt man für  eine IVM keine hochdosiertes Hormonstimulation.

Denn während eine IVF das Ziel verfolgt mehrere reife Eizellen aus dem Eierstock zu gewinnen, konzentriert sich die IVM auf die Gewinnung von unreifen Eizellen.

Vorteile einer IVM

Die Vorteile liegen damit sofort auf der Hand.

Eine IVM eröffnet die Chance die belastende Hormonbehandlung einer künstlichen Befruchtung zu umgehen.

Denn diese Hormonbehandlung vor einer IVF oder einer ICSI ist nicht nur unangenehm und aufwendig.

Sie ist oftmals mit Nebenwirkungen verbunden.

Durch die Gabe von Hormonen kann es beispielsweise zu einem ovariellen Überstimulationssyndrom (OHSS) kommen.

Je nach Schweregrad dieses OHSS bedeutet dies für die Frau eine sehr ernst zu nehmende Erkrankung.

Besonders für Frauen mit PCO-Syndrom kann ein OHSS zu lebensgefährlichen Embolien und Thrombosen führen.

Weiterhin können sich viele Frauen (und ich will mich hier deutlich mit einschließen) nur sehr schwer mit dem  massiven Eingriff in den eigenen Hormonhaushalt arrangieren.

Denn es ist bis heute unklar, welche Langzeitfolgen diese Hormontherapie mit sich bringt.

Zwar konnten Studien eher kein erhöhtes Risiko beispielsweise für Brustkrebs aufzeigen.

Eine Sicherheit gibt es allerdings nicht.

Eine IVM stellt daher eine wirkliche Alternative zur IVF oder ICSI dar, um sich nicht diesen möglichen Neben- und Nachwirkungen einer Hormontherapie aussetzen zu müssen.

Darüber hinaus eröffnet eine IVM Frauen mit einer Krebserkrankung die Möglichkeit, ihren Kinderwunsch Wirklichkeit werden zu lassen.

Unreife Eizellen können vor einer Strahlen- oder Chemotherapie entnommen, eingefroren und nach Beendigung der Krebstherapie im Reagenzglas weiter stimuliert werden.

Wie läuft eine In vitro Maturation ab?

Bei einer In vitro Maturation werden die unreifen Eizellen bereits am 8. bis 10. Tag nach der beginnenden Monatsblutung entnommen.

Zur weiteren Reifung werden diese im Reagenzglas  innerhalb von 24 bis 48 Stunden mit den Hormonen FSH (follikelstimulierendes Hormon) und hCG (humanes Choriongonadotropin) stimuliert.

Sobald die Eizellen reif sind, erfolgt die Befruchtung mit den Samenzellen des Mannes und im Stadium als Embryonen ein Transfer in die Gebärmutter der Frau.

Diese Vorgänge nach dem Abschluss der Eizellreifung entsprechen denen der herkömmlichen IVF und ICSI Behandlung.

Nachteile einer In-vitro Maturation

Du ahnst es vielleicht schon.

Eine IVM hat auch erhebliche Nachteile:

  • Niedrigere Schwangerschaftsraten als bei den herkömmlichen Methoden einer IVF oder ICSI Behandlung
  • Höhere Kosten pro Schwangerschaft
  • Hoher technischer Aufwand für die Punktion
  • Unklarheit über fetale Risiken und Zahl der gesunden Geburten nach IVM
  • Viele offene Fragen und noch geringes Zahlenmaterial aus vorliegenden Studien

Aus all diesen Gründen ist die In vitro Maturation als experimentelles Verfahren zu bewerten.

Sie konnte sich bis heute nicht in der klinischen Praxis durchsetzen.

Und es bedarf sicherlich noch einen längeren Weg der systematischen Weiterentwicklung.

Auch die Grundlagen der Eizellereifung müssen weiter untersucht und optimiert werden.

Allerdings  wurden schon über 400 Kinder mit Hilfe einer IVM gesund geboren.

Und dies lässt doch Hoffnung aufkommen.

Neue Studien geben Hoffnung  

Unter der Leitung von Robert Gilchrist aus Australien gelang es einem Team von Wissenschaftlern die Methode der IVM zu verbessern.

Durch Zusätze eines speziellen Wachstumsfaktors (Cumulin) zum Kulturmedium und durch Kombination mit weiteren Signalstoffen konnte die Eizellqualität und spätere Embryonalentwicklung signifikant verbessert werden.

Du kannst die vorab veröffentlichten Ergebnisse der Studie hier nachlesen.

Zur Zeit laufen klinische Studien, um die Erfolge dieser verbesserten Form der IVM weiter zu testen.

Kosten einer IVM

Abschließend  ein Wort zu den Kosten.

Leider wird eine IVM Behandlung nicht von den Krankenkassen übernommen.

Zwar sind die Kosten für Ultraschall, Blutentnahmen, Eizellpunktion, Narkose Laborkosten und Medikamente eher geringer als bei einer IVF oder ICSI Behandlung.

Allerdings bedarf es insgesamt oft mehrere Behandlungszyklen, um eine intakte Schwangerschaft zu erreichen.

Meine Internetrecherche hat Kostenangaben pro Versuch von ca. 600 bis 1500 Euro ergeben.

Die Kosten für Medikamente werden mit 80 bis 110 Euro beziffert.

Wer Erfahrungen oder konkretere Zahlen hat, mag sich bitte bei mir melden.

Insgesamt deutet vieles darauf hin, dass die IVM zukünftig zu einer etablierten Behandlungsmethode von Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch werden wird.

Dies wäre mehr als wünschenswert, da es den Frauen eine hochdosierte Hormontherapie ersparen würde.

 

Literatur:

Mottershead DG, Sugimura S, Al-Musawi SL, Li JJ, Richani D, White MA, Martin GA, Trotta AP, Ritter LJ, Shi J, Mueller TD, Harrison CA, Gilchrist RB
Cumulin, an Oocyte-secreted Heterodimer of the Transforming Growth Factor-β Family, Is a Potent Activator of Granulosa Cells and Improves Oocyte Quality.
J Biol Chem. 2015 Sep 25;290(39):24007-20. doi: 10.1074/jbc.M115.671487. Epub 2015 Aug 8.

Foto: Bigstock – gualtiero boffi

Kryotransfer bei PCOS: Wie stehen die Chancen?

Die Frage nach den Erfolgschancen bei einem Kryotransfer bewegt viele Kinderwunsch Paare.

Umso interessanter sin die Ergebnisse einer randomisierten Studie aus China.

Diese Studie ging der Frage nach, ob Frauen mit PCOS eher von einem Versuch mit frischen Embryonen oder von einem Kryoversuch profitieren.

Die Ergebnisse sind interessant:

Für Frauen mit PCOS (Polyzystische Ovarialsyndrom) konnte der Kinderwunsch mit einem Kryoversuch häufiger erfüllt werden als bei einem Versuch mit frischen Embryonen.

Desweiteren wirkte sich die Behandlung mit kryokonservierten Embryonen schonender auf die Frauen aus.

Gleichzeitig stieg aber die Zahl der Komplikationen während der Schwangerschaft.

Kryotransfer bei Frauen mit PCOS

Das Forschteam unter der Leitung von Zi-Jiang Chen von der Shandong Universität in Jinan konnte die Frage nach den Erfolgschancen nach einem Kryotransfer  bei Frauen mit PCOS im Rahmen einer groß angelegten Studie untersuchen.

Insgesamt wurden 1508 Frauen, die an 14 IVF Zentren in Behandlung waren, auf die Verwendung von frischen oder aber kryokonservierten Embryonen randomisiert.

Dabei wurde der Transfer am 3. Tag nach der IVF im Reagenzglas oder nach einer ICSI durchgeführt.

Der Begriff Randomisierung leitet sich von dem englischen Wort to randomize ab und bedeutet zufällig auswählen.

Bei diesem Verfahren werden die Versuchspersonen mit Hilfe eines Zufallsmechanismus zu unterschiedlichen Gruppen zugeordnet.

Ziel ist es, mögliche personenbedingte Störgrößen in den zu vergleichenden Patientengruppen gleichmäßig zu verteilen.

Bei der Studie von Zi-Jiang Chen aus Jinan war die sogenannte Baby-Take-Home Rate, also die Anzahl der Lebendgeburten nach Kryotransfer entscheidend.

Alle Ergebnisse der Studie kannst Du in einem Artikel des New England Journal of Medicine hier nachlesen.

Frischeversuch versus Kryotransfer

Die Ergebnisse der Studie sind tatsächlich erbauend.

Die Baby-Take-Home Rate war bei den Frauen nach einem Kryotransfer mit 49,3 Prozent signifant höher als bei der Gruppe von Frauen, die frische Embryonen eingesetzt bekommen hatte.

Die Gruppe von Frauen mit einem „Frischeversuch“ konnte eine Baby-Take-Home Rate von 42,0 Prozent erzielen.

Ein weiterer großer Vorteil für die Gruppe von Frauen mit Kryotransfer lag in der besseren Vermeidung eines ovariellen Überstimulationssyndroms.

Das ovarielle Überstimulationssyndrom ist ein Krankheitsbild, das durch die Hormongabe zur Stimulation der Eierstöcke im Rahmen einer künstlichen Befruchtung auftreten kann.

Diese Komplikation hat die Potenz lebensbedrohlich zu werden und deshalb gilt es sie zu vermeiden.

In der Studie aus China trat eine Überstimulation nach der Verwendung von kryokonservierten Embryonen nur bei 1,3 Prozent der Frauen auf.

Bei der Gruppe von Frauen, die sich frische Embryonen am 3. Tag nach der IVF zurückgeben ließen, lag die Häufigkeit bei 7,1 Prozent.  

Ingesamt lesen sich die Ergebnisse der Studie sehr positiv.

Die Bevorzugung von kryokonservierten Embryonen scheint bei Frauen mit PCO zu einer signifikant höheren Anzahl von Lebendgeburten zu führen.

Als Nachteil lässt sich lediglich die häufigere Anzahl von Präeklampsien  bei den Kryoversuchen festhalten.

Warum es nach einem Kryotransfer häufiger zu einer intakten Schwangerschaft und der Geburt eines Kindes kommt, konnten die Wissenschaftler nicht abschließend erklären.

Ein Ansatzpunkt sehen die Forscher in der besseren Vermeidung eines ovariellen Überstimulaitonssyndroms durch niedrigere Estradiol Konzentrationen bei einem Kryoversuch.

Deshalb legen die Ergebnisse der Studie eine bevorzugte Verwendung von kryokonservierten Embryonen bei  Frauen mit PCOS nahe. 

Für Frauen ohne diese Indikation und damit mit einem niedrigeren Risiko für eine Überstimulation ist die Fragestellung noch zu klären.

Herzliche Grüße

Silke

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Foto: Pixabay – FeeLoona

 

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Eizellenspende in Österreich: Gute Chance auf ein Baby?

Nach einer Gesetzesänderung im Frühjahr 2015 besteht nun auch in Österreich die Möglichkeit einer Eizellenspende.

Viele deutsche Paare mit unerfülltem Kinderwunsch führt ihr Weg zum Wunschkind ins Ausland.

Grund hierfür sind oftmals die weniger strengen Regelungen zur Fortpflanzungsmedizin in diesen Ländern.

Grund  ist auch die Hoffnung vieler Paare, dass sich im Ausland der Traum von einem Kind erfüllen lässt.

Eizellenspende: In Deutschland verboten

Die Eizellenspende ist in Deutschland nach dem Embryonenschutzgesetz verboten.

Paare, die bereits mehrere Versuche einer künstlichen Befruchtung erfolglos hinter sich gebracht haben, erwägen deshalb oftmals die Option einer Eizellenspende im Ausland.

Insbesondere für Frauen, die bereits Ende 30 bis Mitte 40 sind, bietet eine Eizellespende einen Behandlungsansatz, der zu deutlich besseren Schwangerschaftsraten führt als die sonstigen Methoden der Reproduktionsmedizin.

Auch für Frauen, die vorzeitig in die Wechseljahre gekommen sind oder die durch Erbkrankheiten nicht ihre eigenen Eizellen einsetzen wollen, ist diese Option interessant.

Da die Eizellenspende in Deutschland verboten ist, reisen bisher viele dieser Frauen und Paare vornehmlich in osteuropäische Länder oder nach England, Spanien oder Finnland.

Nach der Gesetzesänderung stellt nun auch Österreich eine interessante Option für eine solche reproduktive Reise dar.

Eizellenspende in Österreich: Welche Vorteile gibt es?

Für Frauen und Paare aus Deutschland liegen die Vorteile einer Eizellenspende in Österreich auf der Hand.

Aufgrund der relativ kurzen Anreise können bei einer Kinderwunschbehandlung in Österreich sowohl Zeit als auch Geld gespart werden.

Desweiteren gibt es keine sprachliche Barriere wie in vielen anderen Ländern, in die Paare mit Kinderwunsch bisher gereist sind.

Die Kommunikation mit dem behandelnden Arzt kann auf Deutsch erfolgen, was gerade bei einem solch intimen Thema wie dem Kinderwunsch einen großen Vorteil darstellt.

Eine Eizellenspende in Österreich ist an folgende Bedingungen gebunden:

  • Eine Eizellenspenderin darf nicht jünger als 18 Jahre und nicht älter als 30 Jahre alt sein
  • Die Empfängerin darf nicht älter als 45 Jahre alt sein
  • Eine Kommerzialisierung und Vermittlung von Spenderinnen ist verboten
  • Spenderinnen erhalten nur eine Aufwandsentschädigung
  • Eizellenspenderinnen dürfen ihre Eizellen nur für maximal drei erfolgreiche Behandlungen mit Geburten zur Verfügung stellen
  • Eizellenspenderinnen dürfen ihre Eizellen nur an eine „Krankenanstalt“ abgeben

Steigt die Nachfrage in Österreich für eine Eizellenspende bereits an?

Nach der Gesetzesänderung im Frühjahr letzten Jahres ist gegenwärtig noch abzuwarten, ob diese Veränderung zu einer verstärkten Nachfrage aus Deutschland führt.

Vor einer Eizellenspende bedarf es der Akquise und Auswahl von Frauen, die sich für eine Eizellspende zur Verfügung stellen.

Es stellt sich die Frage, wie viele Frauen bereit sein werden sich als Eizellspenderin zur Verfügung zu stellen.

Aufgrund der verbotenen Kommerzialisierung in Österreich sind finanzielle Aspekte eher zu vernachlässigen.

Desweiteren bedeutet eine Eizellespende für jede Frau eine intensive und aufwendige Hormonbehandlung und Eizellpunktion unter Narkose.

Die körperlichen Risiken hierfür liegen auf der Hand und sich nicht zu unterschätzen.

Weiterhin ist zu beachten, dass die durch eine Eizellspende in Österreich gezeugten Kinder das Recht haben, mit Vollendung ihres 14. Lebensjahres Informationen über die Eizellspenderin zu erhalten.

Eine anonyme Spende besteht nur zwischen der Spenderin und der Empfängerin.

Die durch eine Eizellspende gezeugten Kinder haben das Recht auf Informationen zu ihrer biologischen Herkunft.

Entsprechend werden Daten hierzu in den Kinderwunschkliniken und in einem zentralen Register gesammelt und aufbewahrt.

Ist eine Eizellspende in Österreich anzuraten?

Die Gesetzesänderung in Österreich stellt eine durchaus interessante Option für Kinderwunschpaare in Deutschland dar.

Neben den Vorteilen in finanzieller, zeitlicher und kommunikativer Hinsicht sind allerdings auch die beschriebenen Einschränkungen und Besonderheiten zu beachten.

Wichtig ist aus meiner Sicht, dass sich ein Paar vor einer Behandlung in Österreich intensiv mit den Gegebenheiten vor Ort vertraut macht.

Desweiteren bedeutet eine Familiengründung mit Hilfe einer Eizellespende, dass sich das Paar mit den Aspekten einer biologischen und sozialen Elternschaft auseinander setzen sollte.

Kinder haben ein Recht auf Informationen über ihre Abstammung!

Es stellt sich für die angehenden Eltern die Frage, wann und auf welche Weise sie später ihr Kind über die besondere Weise seiner Herkunft und seiner Entstehung aufklären wollen.

Schließlich sollte der Umgang mit der Eizellenspende in der Familie und im Freundeskreis besprochen werden.

Es ist sinnvoll und wirklich anzuraten, diese wichtigen Tehmen vor einer Reise nach Österreich und vor einer möglichen Schwangerschaft zu besprechen.

Herzliche Grüße

Silke

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Foto: Pixabay – pepa74