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Schwanger nach Fehlgeburt: Wie lange sollte man warten?

By |2018-06-21T22:48:52+00:00März 16, 2018|4 Comments

Ich erinnere mich sehr genau an meine eigene Fehlgeburt und an die mächtigen Gefühle von Angst und Trauer. Gleichzeitig hatte ich mit der Empfehlung meines Frauenarztes zu kämpfen. Auf meine Frage, wie schnell ich wieder nach der Fehlgeburt schwanger werden dürfte, antwortete er: Schwanger nach Fehlgeburt? Sie sollten drei bis sechs Monate warten. Heute möchte ich dich über Studien informieren, die der Frage nachgegangen sind, ob sich Wartezeiten von weniger als drei bis sechs Monaten negativ auf eine Folgeschwangerschaft auswirken können.

Wie schnell schwanger nach Fehlgeburt?

Die oft gehörte Empfehlung lautet, dass eine Frau nach einer Fehlgeburt mindestens drei Monate mit dem Schwanger werden warten sollte. Vielleicht hast du diesen Ratschlag selbst auch schon zu hören bekommen. Denn leider enden bis zu 20 Prozent aller Schwangerschaften in einer Fehlgeburt. Neben dem Kampf wieder zurück in ein normales Leben zu finden, stellt sich die Frage, ob es wirklich notwendig ist 3 bis 6 Monate zu warten, um wieder schwanger zu werden.

Klare Antwort: Ein drei bis sechs monatiges Warten ist nicht notwendig!

Wie schnell schwanger nach Fehlgeburt? Die Studienlage

Eine Studie der University of Aberdeen geht der Frage nach, ob eine Schwangerschaft, die innerhalb von 6 Monaten nach einer Fehlgeburt eingetreten ist, ein höheres Risiko für eine Fehlgeburt oder andere Komplikationen mit sich bringt. Dazu führten die Wissenschaftler eine Metaanalyse von insgesamt 10 Studien  mit 977 972 Frauen durch. Sie verglichen den Verlauf von Schwangerschaften, die nach weniger oder mehr als 6 Monaten nach einer Fehlgeburt entstanden waren. Zur Disposition standen Komplikationen wie eine erneute Fehl-, Früh- oder Totgeburt, eine Präeklampsie oder vermindertes Geburtsgewicht des Kindes. Die Ergebnisse der Studie sind ermutigend:

Das Fehlgeburtsrisiko der Folgeschwangerschaft bei einem Abstand von weniger als 6 Monaten lag niedriger (RR 0,82; 95% CI 0, 78 –  0,86), die Frühgeburtlichkeit sogar signifikant niedriger (RR 0,79; 95% CI 0,75 – 0,83). Weitere Risiken wie eine Präeklampsie  oder die Geburt von Kindern, die zu klein für das entsprechende Reifealter sind (SGA Babys) wurden von der Wartezeit nicht beeinflusst.

Schnell schwanger werden nach Fehlgeburt besser?

Die Ergebnisse erstaunen und sind gleichzeitig ein Trost für alle betroffenen Frauen und Paare. Es muss nicht mindestens 6 Monate nach einer Fehlgeburt gewartet werden, um wieder schwanger zu werden. Vielmehr kann es sogar Chancen bieten, es schnell wieder zu versuchen.

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Sofort schwanger nach Fehlgeburt? Kürzere Wartezeit als 3 Monate

Eine weitere Studie untersuchte die Schwangerschaftsverläufe von Frauen, die weniger oder mehr als 3 Monate gewartet hatten. In dieser Studie wurden 677 Frauen einbezogen und es wurden tatsächlich keine Unterschiede zwischen beiden Gruppen gefunden. Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass das Warten von mindestens 3 Monaten nach einer Fehlgeburt nicht notwendig ist. Und die Wissenschaftler sprechen eine Empfehlung aus: Paare, die wieder schwanger werden möchten, können dies versuchen, sobald sie sich dafür bereit fühlen.

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Was bedeuten die Ergebnisse bei Kinderwunsch?

Die Ergebnisse der Studien liefern wichtige Anhaltspunkte für Paare mit Kinderwunsch:

  • Eine Folgeschwangerschaft nach einer Fehlgeburt ist dann richtig und birgt keine höheren Risiken, wenn sich das Paar bereit für eine Folgeschwangerschaft fühlt. Wenn du dich körperlich und seelisch gut fühlst, gibt es keinen Grund zu warten. Es sei denn, dein Arzt empfiehlt dir aus individuellen medizinischen Gründen, dies nicht zu tun. Deine möglichen Sorgen, dass du vielleicht eine erneute Fehlgeburt erleidest, weil du es zu früh nach einer Fehlgeburt wieder versucht hast, lässt sich durch Studien nicht belegen. Wichtig ist aber auch: Wenn du dich noch nicht bereit fühlst, es wieder zu versuchen, dann nimm das bitte ernst! Warte, bis für dich der richtige Zeitpunkt gekommen ist.

Abschließend möchte ich betonen, dass es bei Studien immer um statistische Analysen geht, die Durchschnittswerte der untersuchten Personen vorstellen und bewerten. Die Studien können nicht deine Lebenssituation und deinen Gesundheitszustand abbilden. Trotzdem bleibt das Ergebnis sehr bedeutend: Es entsteht nach einer Fehlgeburt kein Nachteil, wenn man nicht 3 bis 6 Monate bis zur nächsten Schwangerschaft abwartet.

Herzliche Grüße

Silke

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Literatur:

Kangatharan C, Labram S & Bhattacharya S: Interpregnancy interval following miscarriage and adverse pregnancy outcomes: systematic review and meta-analysis.  Human Reproduction Update (2016) doi: 10.1093/humupd/dmw043

Wong LF, Schliep KC, Silver RM, Mumford SL, Perkins NJ, Ye A, Galai N, Wactawski-Wende J, Lynch AM, Townsend JM, Faraggi D, Schisterman EF: The effect of a very short interpregnancy interval and pregnancy outcomes following a previous pregnancy loss. Am J Obstet Gynecol. 2015 Mar;212(3):375.e1-11. doi: 10.1016/j.ajog.2014.09.020. Epub 2014 Sep 20.

Wyss P, Biedermann K, Huch A.: Relevance of the miscarriage-new pregnancy interval. J Perinat Med. 1994;22(3):235-41.

Foto:  © Ocus Focus / Bigstock.com

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Mein Name ist Silke und Kindeshalb ist mein Kinderwunsch Blog. Wenn du Tipps zum Schwanger werden suchst, bist du hier genau richtig. Bei Fragen melde dich gerne!

4 Comments

  1. Nadine 16. Mai 2018 at 16:16 - Reply

    Hallo Silke
    ich habe mir jetzt das Buch „Gelassen durch die Kinderwunschzeit“ bestellt…und hoffe dadurch etwas ruhiger und gelassener zu werden…
    Ich bin 36, hatte zwei natürliche Abgänge und meine Psyche macht es mir manchmal ein wenig schwierig…

    Des Weiteren habe ich eine Frage…kennst du dich ggf. mit Progesteron aus?

    Laut meiner Ärztin sollte ich dies im vorletzten Zyklus in der 2. Hälfte morgens und abends je 200mg einnehmen.

    Dadurch hat sich meine Menstruation um eine Woche…anstatt am 15.4, am 22.4 (nachdem ich negativ getestet habe, habe ich das Progesteron abgesetzt) nach hinten verschoben…Allerdings ist mein ES „normal“ erfolgt…als wäre meine Periode planmässig gekommen.. am 8 ZT anstatt am 15 ZT…dies habe ich mit Ovu Tests getestet (Clearblue).

    Meine Ärztin hat eine Woche nach ES Blut abgenommen und auch einen ES festgestellt…allerdings sagt sie, müsste das Gelbkörperhormon von ES bis Blutabnahme schon höher sein und ich soll jetzt im neuen Zyklus wieder mit Progesteron arbeiten.
    Ich habe gestern wieder meine Periode bekommen…eigentlich fast wieder eine Woche zu früh…somit hatte ich diesen Monat einen Zyklus von nur 23 anstatt 29 Tagen.
    Irgendwie ist bei mir alles um eine Woche verschoben…ich nehme an durch das Progesteron.
    Nun habe ich Bedenken…dass ich wieder alles verschiebe, wenn ich in der 2. ZH das Progesteron einnehme und bin irgendwie total verwirrt.

    Vielleicht hast du ja Erfahrungen und kannst mir was dazu schreiben.
    Ich würde mich freuen…
    Liebe Grüße

    • Silke 17. Mai 2018 at 18:45 - Reply

      Liebe Nadine,

      ich mag das Buch von Birgit Zart sehr, sie beantwortet meiner Meinung nach inhaltlich und auch von der gewählten Sprache her viele Fragen, die einem in der Kinderwunschzeit durch den Kopf gehen. Die Erfahrung von 2 Fehlgeburten macht den Kinderwunschweg noch viel schwerer, die Angst, dass es wieder passiert und die vielen Fragen, ob es überhaupt wieder und dann auch „gut“ klappen wird sind ständig präsent.

      Zu deiner Frage:

      Das Hormon Progesteron ist entscheidend dafür, dass eine Schwangerschaft entstehen und sich dann auch „halten“ kann. Wird dieses Hormon nicht ausreichend produziert, können sich Probleme beim Einnisten der befruchteten Eizelle und auch beim Aufrechterhalten einer Schwangerschaft ergeben. Dein Kommentar liest sich so, als ob deine Frauenärztin eine Gelbkörperschwäche diagnostiziert hat und deshalb das Progesteron einsetzt. Erstmal liest sich das schlüssig, gleichzeitig war dein jetzt gerade zu Ende gegangener Zyklus (ES an Tag 8) und Einsetzen der Blutung nach insgesamt 23 Tagen in der 2. Zyklushälfte nicht wirklich verkürzt.

      Ich persönlich würde beim nächsten Termin bei deiner FA das Gespräch suchen und deine Bedenken und Sorgen mitteilen. Ich würde auch nochmal nachhören, warum sie den Einsatz für Progesteron richtig hält, um ein Gefühl der Sicherheit für dieses Vorgehen zu bekommen. Ich bin mir sicher, dass sich aber viel Erfahrung mit dieser Vorgehensweise hat und es sich sicherlich anbietet, ihre Empfehlung weitere Zyklen auszuprobieren. Ich kann deine Verwirrung nachvollziehen, weil sich dein Zyklus verschoben hat, allerdings ist die Frage, wie sich das in weiterer Zukunft darstellen wird und ob du es wagen willst es den ein oder anderen Zyklus weiter auszuprobieren.

  2. Katrin Nowak 19. April 2018 at 15:08 - Reply

    Danke liebe Silke für deinen Blog!! Ich habe meine Ausschabung morgen früh und möchte versuchen wieder nach vorn zu schauen! Ich hatte 2012 schon einmal eine Fehlgeburt und bin aber damals nach gut 5 Monaten wieder schwanger geworden und habe ein gesundes Kind bekommen. Nun hoffe ich inständig, dass es diesmal auch so sein wird!!

    • Silke 19. April 2018 at 18:19 - Reply

      Liebe Katrin,

      hoffentlich hast Du die AS halbwegs „gut“ überstanden. Ich denke an dich, eine Ausschabung ist einfach nur schrecklich und es bleibt nur der Ausblick auf bessere Zeiten.
      Eine Fehlgeburt bedeutet nicht, dass es danach nicht mehr klappen wird, du bist das beste Beispiel dafür. Und vielleicht hilft dein 2. Sternchen seinem Geschwisterkind auf dem Weg ins Leben.

      Herzliche Grüße

      Silke

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