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Low Responder & IVF: Sind hohe Hormondosen wirklich zielführend?

Von | 2018-03-22T20:19:29+00:00 November 28, 2016|Kinderwunsch Blog, Schwanger werden|2 Kommentare

Wie hoch muss die Hormonstimulation bei einem Low Responder sein? Eine neue Studie geht dieser Frage nach und vergleicht die Schwangerschaftsraten nach hoch dosierten bzw. milden Hormonstimulationen.

Was ist eine Low Responder?

Als Low Responder werden Frauen bezeichnet, die auf die hormonelle Stimulation  im Rahmen einer IVF schlecht reagieren.

Schlecht meint in diesem Zusammenhang, dass sich bei diesen Frauen selbst bei einer sehr hohen Hormonstimulation oftmals nicht mehr als 3 oder 4 Follikel entwickeln.

Die Ursachen für diese schlechte Reaktion der Eierstöcke auf die Hormongaben ist nicht wirklich zufriedenstellend geklärt.

Ein Grund kann das Alter der Frau und die nahenden Wechseljahre sein.

Daneben gibt es zahlreiche Vermutungen über mögliche immunologische Ursachen und eine unzureichende Aufnahme der Hormone durch die Hormonrezeptoren. Ein anderer Erklärungsansatz verweist auf die negativen Auswirkungen von mehreren Hormonstimulationen in nur kurzen Zeitabständen hin. IVF Versuche ohne ausreichenden Pausen zwischen den einzelnen Versuchen können zu einer schlechteren Reaktionsfähigkeit der Eierstocke führen.

Low Responder: Hilft viel wirklich viel?

Brauchen Low Responder hohe Hormongaben, um möglichst viele Follikel zum Wachsen zu bringen?

Sicherlich ist eine missglückte Hormonstimulation für alle Beteiligten sehr enttäuschend. Dem behandelnden Arzt kommt zusätzlich die Aufgabe zu, einen erfolgreicheren Weg für den nächsten Versuch ausfindig zu machen.

Viele Kiwu Ärzte versuchen dies mit Hilfe einer sehr hochdosierten Hormonstimulation. Die hohe Stimulation soll die Eierstöcke zu einer starken Reaktion zwingen.

Diese Vorgehensweise klappt leider nicht immer. Nicht selten fällt das Ergebnis genauso schlecht oder sogar noch schlechter als bei einer niedrigeren Stimulation aus.

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Milde Hormonstimulation versus hohe Hormongaben?

Genau dieser Frage geht eine wissenschaftliche Studie mit 400 Frauen nach. Dabei durften die an der Studie beteiligten Frauen nicht älter als 35 Jahre alt sein. Zudem mussten die Frauen einen FSH Spiegel von > 10 IU/ml und eine schlechte Reaktion auf Hormongaben im vorherigen Zyklus bzw. eine niedrige Zahl von Antralfollikeln (Antralfollikel ≤ 5)  vorweisen.

In der folgenden Stimulation im Rahmen der Studie erhielt die Hälfte der Frauen im Antagonisten Protokoll 150 IE FSH, die andere Hälfte der Gruppe im langen Protokoll 450 IE.

Ergebnisse der Studie

Interessanterweise zeigten beide Gruppen keinen signifikanten Unterschied in den Schwangerschaftsraten.

Während die Gruppe mit der milden Stimulation eine Schwangerschaftsrate von 12,8% erreichte, waren es in der Gruppe der Frauen mit der hohen Stimulation 13, 6%.

Allerdings dauerte die Stimulation in der Gruppe der hoch stimulierten Low Responder im Durchschnitt 1 bis 2 Tage länger und es wurden dementsprechend mehr als 3.000 Einheiten FSH mehr eingesetzt.

Neben dem höheren Zeiteinsatz ist hier vor allem auf die deutlich höheren Medikamentenkosten bei fast gleichen Schwangerschaftsraten hinzuweisen.

Zwar weist die Studie auf die mangelnde Datenlage über die Zahl der Lebendgeburten hin. Desweiteren war es nicht möglich, die Zahlen zu den kryokonservierten Eizellen zu erheben, um damit ein kumulative Schwangerschaftsrate pro Punktion zu errechnen.

Trotzdem weißen die Wissenschaftler der Studie deutlich darauf hin, dass die Ergebnisse in der Praxis zu beträchtlichen Kosteneinsparungen führen können.

Low Responder brauchen keine hochdosierte Hormonstimulation im Rahmen einer künstlichen Befruchtung. Die Wissenschaftler kommen zu dem Ergebnis:

“The results are directly applicable in daily clinical practice and may lead to considerable cost savings as high dosages of gonadotropins are not necessary in women with poor ovarian reserve undergoing IVF. A health economic analysis of our data planned to test the hypothesis that mild ovarian stimulation strategy is more cost-effective than the conventional ovarian stimulation strategy is underway.“

Low Responder und die Antwort der Endokrinologen

Leider habe ich am eigenen Leib erfahren müssen, wie mit Low Respondern verfahren wird.

Nachdem sich bei meiner ICSI nur 2 Follikel im Ultraschall zeigten, war die Enttäuschung groß. Nach langem Überlegen habe ich mich damals dazu entschlossen, den Versuch vor der Punktion abzubrechen.

Auf mein schlechtes Ansprechen folgte eine deutliche Erhöhung der Hormondosierung im nächsten IVF Versuch.

Getreu dem Motto „viel hilft viel“ sah mein behandelnder Arzt darin die beste Chance, um möglichst viele Eizellen zu gewinnen.

Leider war dieser Ansatz nicht von Erfolg gekrönt. Auch diese Stimulation brachte letztendlich nur 3 Follikel zum Wachsen und für den Embryotransfer stand nur ein einzelner Embryo zur Verfügung.

Im Nachgang habe ich mich damals sehr darüber geärgert, dass ich unkritisch und komplett uninformiert diesen Weg mitgegangen bin.

Sicherlich wollte mein Arzt nur den besten Weg für unser gemeinsames Ziel finden. Allerdings kostete es mich viel Kraft und Durchsetzungsvermögen im folgenden Versuch eine deutlich mildere Stimulation durchzusetzen.

Aber:  Zwischen dieser hochdosierten Stimulation und der dann folgenden milderen IVF Behandlung lag eine wunderschöne Schwangerschaft und die Geburt unseres ersten Sohnes. :-)

Deshalb, liebe Low Responder Frauen: Behaltet Euer Ziel stets fest im Blick!

Auch mit wenig Eizellen und einer verminderten Aktivität der Eierstöcke kannst du schwanger werden.

Meine eigene Geschichte spiegelt die Ergebnisse der Studie genau wieder:

Nach der Erfahrung, dass eine hoch dosierte Hormonstimulation nicht zwangsläufig zu mehr Follikeln führen muss, kam für mich für ein Geschwisterkind nur noch eine mildere Stimulation in Betracht.

Interessanterweise war die Follikelanzahl nach der milden Stimulation  nicht schlechter als bei der hohen Stimulation. Allerdings war sie auch nicht besser!

Ich musste mich mit der Tatsache abfinden, dass ich offenbar pro Versuch nicht mehr als 3 oder 4 Follikel haben würde.

Trotzdem wurde ich wieder mit nur einem Embryo schwanger!

Fazit: Low Responder profitieren von milder Stimulation

Low Responder, die im Antagonisten Protokoll mit einer niedrigen Stimulation von bis zu 150 IE FSH stimuliert wurden, erreichten in der Studie eine fast genauso hohe Schwangerschaftsrate wie Low Responder, die im langen Protokoll mit bis zu 450 IE FSH behandelt wurden.

Eine Stimulation mit einer geringeren Hormondosis schont den Körper der Frau, spart Zeit und viel Geld.

Aufgrund der oftmals sehr angespannten finanziellen Situation vieler Kinderwunsch Paare, finde ich gerade den letzten Punkt sehr beachtenswert.

Viel hilft also nicht immer viel. Auch nicht bei Low Respondern!

Gerade Frauen mit nicht optimaler Eierstocksfunktion sollten achtsam und kritisch ihre Stimulationsprotokolle studieren. Und sie sollten sich nicht scheuen, das Gespräch mit ihrem behandelnden Kiwu Doc zu suchen.Viele Einwände helfen dann manchmal doch entscheidend viel.

Herzliche Grüße

Silke

Weiterlesen:

10 Schwangerschaftsanzeichen: Bist du schwanger?

Himbeerblättertee: Schneller schwanger werden durch Tee?

Literatur:

Youssef MA, van Wely M, Al-Inany H, Madani T, Jahangiri N, Khodabakhshi S, Alhalabi M, Akhondi M, Ansaripour S, Tokhmechy R, Zarandi L, Rizk A, El-Mohamedy M, Shaeer E, Khattab M, Mochtar MH, van der Veen F. „A mild ovarian stimulation strategy in women with poor ovarian reserve undergoing IVF: a multicenter randomized non-inferiority trial.” Hum Reprod. 2016  Nov 11.

Foto: Pixabay: Fotoblend

Über den Autor:

Mein Name ist Silke und Kindeshalb ist mein Kinderwunsch Blog. Wenn du Tipps zum Schwanger werden suchst, bist du hier genau richtig. Bei Fragen melde dich gerne!

2 Kommentare

  1. Sophia 1. Dezember 2016 um 20:43 Uhr - Antworten

    Danke für diesen Blogartikel. Ich bin auch in einer IVF und soll mit sehr hohen Dosen stimulieren. Mir geht es damit gar nicht gut. Weder körperlich noch seelisch und ich bezweifle doch stark den Nutzen.

    • Silke.Schwekutsch 1. Dezember 2016 um 20:46 Uhr - Antworten

      Sophia, sprich deinen Arzt darauf an. Ich finde, dass du mit deiner Therapie einverstanden sein musst!

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