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Follikel: Definition, Größe & Entwicklungsstufen

Jede Schwangerschaft beginnt mit einem Follikel. Ein kleines Eibläschen, das es schafft sich gegen viele andere Follikel durchzusetzen und am schnellsten und kräftigsten zu wachsen. In diesem Artikel erfährst du, warum eine gute Follikelentwicklung für eine Schwangerschaft wichtig ist und was die damit verbundenen Begriffe wie Follikelphase, follikelstimulierendes Hormon (FSH) und Follikelsprung bedeuten.

Was ist ein FollikelDefinition & Größe

Follikel (von lat. Folliculus: Hülle, Hülse) sind bläschenförmige Hohlraumstrukturen, die es beim Menschen zum Beispiel in der Schilddrüse, im lymphatischen System, der Haut, aber auch in den Eierstöcken gibt. Vielleicht hast du bei einem Ultraschall bei deinem Gynäkologen schon einige deiner eigenen Follikel (auch Ovarialfollikel genannt) gesehen. Sie sehen wie kugelige  mit Flüssigkeit gefüllte Eibläschen aus und umgeben als Hülle die heranreifende Eizelle im Eierstock.

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Follikel sind keine Eizellen. Vielmehr ist die Eizelle die weibliche Keimzelle, die im Follikel schwimmt. Der Follikel umgibt die Eizelle wie eine schützende Hülle im Eierstock und trägt dazu bei, dass diese sich ideal entwickeln kann und zum richtigen Zeitpunkt auf den Weg Richtung Gebärmutter geschickt wird.

Ein voll ausgereifter Follikel zum Zeitpunkt des Eisprungs hat einen mittleren Durchmesser von 22-24 mm. Das Intervall liegt bei 18 bis 36 mm, d.h. das Eibläschen kann bereits bei 18 mm oder erst bei 36 mm platzen.  Er ist gefüllt mit Flüssigkeit, in der sich die Eizelle befindet.

Follikel vor dem Eisprung

Follikel kurz vor dem Eisprung im Ultraschall

Seine maximale Größe erreicht der Ovarialfollikel um die Zyklusmitte. Dieser Zeitpunkt entspricht meistens dem 10. bis 14. Tag nach dem Start deiner Periode. Das Eibläschen öffnet sich und entlässt die Eizelle mitsamt seiner Flüssigkeit. Die eigentliche Eizelle ist mit bloßem Auge kaum zu sehen. Sie ist nur 0,11 bis 0,14 Millimeter groß.

Follikel kurz vor dem Eisprung

Kurz vor dem Eisprung, Wikimedia.org ©Maksim

Follikelreifung im Zyklus

Die Eibläschen durchlaufen während ihrer Reifung verschiedene Entwicklungsstadien und die Follikel, die du im Ultraschall sehen kannst, haben schon einige Entwicklungsschritte hinter sich. Abhängig von ihrem Reifungsgrad werden Ovarialfollikel in Primordialfollikel, Primär-, Sekundär- und Tertiär-Follikel unterschieden. In deinen Eierstöcken sind Eibläschen in all diesen Entwicklungsstadien zu finden. Für die entscheidende Weiterentwicklung vom Tertiär-Follikel zum Graaf-Follikel, den es für einen Eisprung braucht,  kommt das follikelstimulierende Hormon FSH ins Spiel.

Zyklustee Wegweiser

Zu Beginn eines neuen Zyklus, der mit dem ersten Tag deiner Periodenblutung beginnt, hat sich eine Kohorte von 10 bis 20 Eibläschen in eine Art „Lauerstellung“ begeben. Ziel dieser nun auch als Antralfollikel bezeichneten kleinen Eibläschen (2 bis 10 mm im Durchmesser) ist es, ein Graaf-Follikel zu werden und zum Eisprung zu kommen. Allerdings schafft dies nur ein einzelner Follikel pro Zyklus.

Der Leitfollikel

Die Ausschüttung von FSH durch die Hirnanhangsdrüse wirkt wie der Startschuss zu einem Rennen um die Position des Leitfollikels, an dessen Ende sich nur ein Eibläschen durchsetzen kann. Dieser Follikel schafft es durch seine Größe und Entwicklungsreife die anderen Follikel zu dominieren und zum sprungreifen Follikel zu wachsen. Die übrigen Follikel bilden sich zurück und degenerieren (Follikelatresie). Manchmal und in Ausnahmen schaffen es auch 2 Eibläschen zu springen und eröffnen damit die Chance mit zweieiigen Zwillingen schwanger zu werden.

Der Prozess der Auswahl des dominanten Follikels ist beeindruckend. Sie beruht auf einem negativen Rückkopplungsprozess, bei dem die durch die Follikel selbst produzierten Östrogene die weitere Ausschüttung von FSH gehemmt wird. Diese geringere Verfügbarkeit von FSH führt dazu, dass die Follikel degenerieren, nur der am weitesten entwickelte Follikel kann von dieser Entwicklung profitieren. Denn er verfügt aufgrund seines Reifegrades über die höchste Empfindlichkeit für FSH und er schüttet gleichzeitig das Hormon Inhibin aus, das zusätzlich die weitere FSH Produktion hemmt. Das stärkste Eibläschen baut auf diese Weise seinen Entwicklungsvorsprung aus und reift zum sprungbereiten Follikel weiter. Die stark zunehmende Estradiol Ausschüttung führt zudem zu einem LH Anstieg, der etwa 24 Stunden nach dem LH Peak zum Eisprung (Follikelsprung) führt.

Eisprung (Ovulation)

Die Follikelreifung findet im Eisprung ihren Abschluss. Beim Eisprung platzt die Hülle des Leitfollikels auf und die Eizelle wird in den Eileiter geschleudert. Im Eileiter kann sie von einem Spermium befruchtet werden und danach ihren Weg in die Gebärmutter fortsetzen. Nach ca. 4 bis 6 Tagen dort angekommen erfolgt die Einnistung in die Gebärmutterschleimhaut und die weitere Entwicklung zu einem Baby.

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Dem aufgeplatzten Eibläschen kommt ebenfalls eine neue Aufgabe zu: Er wandelt sich nach dem Eisprung und unter dem Einfluss von LH in den Gelbkörper um.

Eisprung, Follikel wandelt sich in Gelbkörper um

Follikel wandelt sich in Gelbkörper um, ©Wikimedia.org

Erfolgt keine Befruchtung wandert die Eizelle trotzdem in die Gebärmutter und wird dort zusammen mit der Gebärmutterschleimhaut am Ende des Zyklus mit dem Einsetzen der Periode ausgeschieden. Gleichzeitig haben bereits die Vorbereitungen für den nächsten Zyklus angefangen. Eine neue Kohorte von Eibläschen hat sich gebildet und wartet auf den Startschuss um die beste und schnellste Entwicklung.

Follikelreifung im stimulierten Zyklus

Da eine künstliche Befruchtung sehr zeit- und kostenintensiv ist, wird durch eine gezielte Stimulation der Eierstöcke versucht, möglichst viele Follikel bis zur Sprungreife zu entwickeln. Denn je mehr reife Eizellen am Ende der Stimulation punktiert werden können, desto mehr Möglichkeiten ergeben sich, diese zu befruchten und im Rahmen eines Transfers in die Gebärmutter zurückzusetzen.

Allerdings verhalten sich nicht alle Eibläschen unter der Stimulation gleich. Vielmehr hat jeder Follikel seinen eigenen Entwicklungsrhythmus und nicht alle schaffen es eine Größe von 18 mm zu erreichen. Sobald mehrere Follikel 18 mm und mehr erreicht haben, wird das Hormon hCG verabreicht und damit der Eisprung ausgelöst. Etwa 36 Stunden später erfolgt dann die Punktion der Eizellen. Leider sind nicht alle dieser auf diesem Wege gewonnen Eizellen reif und auch über deren Qualität lässt sich erstmal nur spekulieren. Auch kommt es immer wieder vor, dass die Follikel überhaupt keine Eizelle enthalten (Leere-Follikel-Syndrom).

Zyklus: Follikelreifung, Eisprung, Schwangerschaft / Blutung

Zyklus für Zyklus vollziehen sich alle diese Prozesse in deinem Körper. Zunächst reifen mehrere Eibläschen heran, wovon sich eines durchsetzt und zum Eisprung gelangt. Kommt es zu einer Befruchtung und Einnistung bist du schwanger. Klappt dies nicht tritt nach dem Zerfall des Gelbkörpers deine nächste Monatsblutung ein.

Ich persönlich bin total fasziniert davon und staune mit welcher Ausdauer und Kraft der weibliche Körper Monat für Monat eine mögliche Schwangerschaft vorbereitet. Ob dies wirklich geklappt hat, kannst du frühestens am Tag deiner zu erwarteten Monatsblutung (etwa 14 Tage nach dem Eisprung) mithilfe eines Schwangerschaftstests herausfinden. Sollte es nicht mit dem Schwanger werden geklappt haben, gibt es aber jeden Grund neuen Mut zu fassen, denn die nächsten Eibläschen sind bereits startklar und leiten einen neuen Zyklus ein.

Zur Bestimmung des Zeitpunkts, ab dem du zuverlässig einen Schwangerschaftstest durchführen kannst, kann ich dir meine hCG Tabelle Urin empfehlen. Bei Fragen melde dich gerne bei mir.

Herzliche Grüße

Silke

Quellen

  • Elisabeth Raith-Paula, Petra Frank-Hermann, Günter Freundl, Thomas Strowitzki: Natürliche Familienplanung heute: Modernes Zykluswissen für Beratung und Anwendung. 5. Auflage. Springer Verlag, 2013.
  • Hans-Rudolf Tinneberg, Michael Kirschbaum, Frank Oehmke (Hrsg.): Gießener Gynäkologische Fortbildung 2003: 23. Fortbildungskurs für Ärzte der Frauenheilkunde und Geburtshilfe. Springer-Verlag, Berlin/Heidelberg/New York 2013.

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By |2019-03-18T19:56:38+02:00März 18, 2019|

Sehnsucht nach meinem Kind: Das Gefühl nicht komplett zu sein!

Beim Aufräumen ist mir heute ein altes Buch von von J. Bours in die Hände gefallen. Während ich versuche mich an den Inhalt des Buches zu erinnern, blättere ich durch die Seiten und bleibe bei dem Wort Sehnsucht hängen. Bours erklärt, dass das  Wort Sehnsucht nicht von Suchen, sondern von Siechen kommt.

Wusstest Du das? Sehnsucht ist ein Kranksein am Sich-sehnen. Letztendlich das Gefühl, nicht komplett zu sein. Diese Erklärung berührt mich und ich möchte meine Gedanken mit Dir teilen.

Unerfüllte Sehnsucht

Unerfüllte Sehnsucht nach Deinem Kind: Du kennst sie auch nur zu gut oder?

Ich erinnere mich an eine Umfrage des Theologen P. M. Zulehner, der Menschen nach ihren tiefsten Wünschen befragt hat. 88 Prozent antworteten:

„Dass ich Menschen um mich habe, die ich lieben kann und die auch mich lieben.“

Ist das die Grundsehnsucht des Menschen? Und findet sie in der Sehnsucht nach dem eigenen Kind ihren tiefsten Ausdruck?

Auf meinem Blog kindeshalb geht es um das Thema unerfüllter Kinderwunsch und um Wege und Tipps, um schwanger zu werden.

Die Hoffnung bald mit einem wunderschönen dicken Babybauch durchs Leben zu gehen und das eigene Kind in den Armen halten zu dürfen.

Die Enttäuschung am Monatsende dagegen wandelt diese Hoffnung immer und immer wieder in grenzenlose Trauer um. Doch schaust Du genauer hin, dann entdeckst Du, dass diese Trauer die enttäuschte Sehnsucht nach Deinem Kind ist.

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Die tiefe Sehnsucht nach Deinem Baby

In der Trauer begegnet Dir die tiefe Sehnsucht nach Deinem Baby.

Und diese Sehnsucht macht Dich zur Mutter längst bevor Dein Kind gezeugt oder geboren ist.

Du sehnst Dich nach Deinem Kind, suchst es überall und fühlst Dich allein und unvollständig ohne es.

Deine Hoffnung spornt dich Monat für Monat an. Sie verbindet sich mit Deiner Sehnsucht und daraus erwächst neue Zuversicht, dass Dein Wunsch in Erfüllung gehen wird. Du kennst diesen Zyklus bestimmt von Dir selbst.

Enttäuschung, Trauer & die Sehnsucht

Und dann ist es wieder so weit: Wie so oft in der Vergangenheit wird Deine Sehnsucht enttäuscht und Deine Monatsblutung tritt ein. Die tiefe Sehnsucht endlich Kontakt und Bindung zu Deinem Kind herzustellen wird nicht erfüllt. Du fühlst Dich bis in die letzte Tiefe deines Herzens getroffen und es tut höllisch weh.

Bist Du schon bereit dazu, in Deiner monatlichen Trauer die Sehnsucht nach deinem Kind zu erkennen?!

Ich persönliche finde, dass dieser Gedanke die Trauer verändert. Sie wird plötzlich viel stimmiger und sie lässt Dich nach der Zeit des Trauerns vielleicht wieder aufstehen und mit neuer Zuversicht den nächsten Zyklus beginnen.

Wie geht es Dir mit diesen Gedanken?

Herzliche Grüße

Silke

Foto: © lara zanarini / Bigstockphoto.com
By |2019-03-13T18:06:27+02:00März 9, 2019|

Fehlgeburtsrisiko nach wiederholtem Abort: Stress spielt keine Rolle!

Stimmt es, dass emotionaler Stress eine Fehlgeburt auslösen kann? Wenn Du vielleicht bereits eine oder mehrere Fehlgeburten erlebt hast, dann kennst Du mit Sicherheit die Sorge, dass Deine Erfahrungen und die damit verbundenen Gefühle sich negativ auf eine neue Schwangerschaft auswirken können. In diesem Artikel möchte ich Dir eine interessante Studie zu diesem Thema vorstellen.

Wiederholte Fehlgeburten durch emotionalen Stress?

Ich vermute, dass Du die Frage, ob emotionaler Stress durch eine oder mehrere Fehlgeburten sich negativ auf eine Folgeschwangerschaft auswirken kann, wahrscheinlich bejahen würdest. Denn wir alle werden ständig mit der gängigen Meinung konfrontiert, dass Stress nicht nur als Ursache bei ungewolltem Kinderwunsch eine wichtige Rolle spielt, sondern auch gefährlich für eine bestehende Schwangerschaft sein kann.

Und das macht sofort wieder Stress, denn man hat als Frau damit ganz offenbar auch noch die Aufgabe, sich unbedingt entspannen zu müssen, um endlich Mutter zu werden. Kennst Du dieses Gefühl, mir ging es auf jeden Fall während meiner Kinderwunschzeit so.

Ich hatte bereits vor kurzer Zeit eine neue Metaanalye zu diesem Thema vorgestellt, die nachweisen konnte, dass Stress nicht die Einnistung nach einer künstlichen Befruchtung verhindert.

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Fehlgeburtsrisiko und Stress

Eine weitere Studie ist nun der Frage nachgegangen, was Stress für die die Wahrscheinlichkeit nach einer Fehlgeburt eine Lebendgeburt zu erleben bedeutet. Die prospektive Untersuchung aus Dänemark  befragte dazu 301 Frauen, die wiederholte eine Fehlgeburt erfahren hatten. Ziel war es herauszufinden, ob beschriebene Symptome von Stress und Depression eine neu eingetretene Schwangerschaft beeinflussen.

Das Ergebnis: Emotionaler Stress hat keinen Einfluss auf die Wahrscheinlichkeit einer Lebendgeburt. Das Fehlgeburtsrisiko steigt nicht durch den psychischen Stress, der durch eine oder mehrere Fehlgeburten ausgelöst wurde an.

Fehlgeburt: Risiko steigt nicht durch psychischen Stress

Was für ein wichtiges Ergebnis! Für mich bedeutet das mich erstmal zu entspannen! Und vielleicht kannst Du das auch, vor allem wenn Du tatsächlich gerade nach einer Fehlgeburt wieder schwanger bist.

Ist das nicht unendlich entlastend? Alle guten Ratschläge und Angebote zur „Mind-Body Optimierung“ und zu effektivem Stressabbau beispielsweise vor, während und nach einer IVF sind damit fraglich. Das bedeutet nicht, dass Stressabbau unsinnig ist und natürlich möchte ich Dich ermutigen gut mit Dir und Deinem Körper umzugehen und aktiv Techniken zum Umgang mit Stress zu erlernen. Nur die Ergebnisse der Studie machen deutlich, dass Du keine Angst haben musst, dass die emotionalen Auswirkungen einer erlebten Fehlgeburt Deinem ungeborenes Baby schaden werden.

Herzliche Grüße

Silke

Literatur:

  • A.M. Kolte, L.R. Olsen, O.B. Christiansen, L. Schmidt, H.S. Nielsen: Pregnancy outcomes after recurrent pregnancy loss – a longitudinal cohort study on stress and depression. Reproductive Biomedicine Online, im Druck.
  • Nicoloro-SantaBarbara J, Busso C, Moyer A, Lobel M: Just relax and you’ll get pregnant? Meta-analysis examining women’s emotional distress and the outcome of assisted reproductive technology. Soc Sci Med. 2018 Sep;213:54-62.
  • Boivin J ,Griffiths E, Venetis CA: Emotional distress in infertile women and failure of assisted reproductive technologies: Meta-analysis of prospective psychosocial studies. BMJ 2011; 342:d223 doi: 10.1136/bmj.d223.

Foto: Bigstockphoto.com © Prasit Rodphan

By |2019-03-08T04:20:06+02:00März 7, 2019|

Endometrium Scratching bei IVF & ICSI sinnvoll?

Eine neue Studie zum Endometrium Scratching hinterfragt die Technik des Anritzens der Gebärmutterschleimhaut, mit der die Chancen auf eine Schwangerschaft während einer IVF Therapie verbessert werden sollen. Wie effektiv und sinnvoll ist das Endometrium Scratching wirklich?

Was ist Endometrium Scratching?

Das Endometrium Scratching in der Gelbkörperphase des vorangehenden Zyklus vor dem Beginn der Hormonstimulation meint tatsächlich ein leichtes Anritzen der Gebärmutterschleimhaut. Dabei werden zwischen dem 21. und 24. Zyklustag kleine Stücke des Endometriums  mit einer Pipelle von verschiedenen Stellen der Gebärmutterhöhle entfernt. Dieser Eingriff erfolgt durch den Gebärmutterhals. Er ist nicht schmerzhaft, eine Narkose ist nicht notwendig und die Risiken sind als sehr gering einzuschätzen.

Ziel dieser Aktion ist es durch das „Ankratzen“ die Aufnahmefähigkeit der Gebärmutter für den Embryo bei einer IVF oder ICSI zu verbessern. Durch die leichte Verletzung der Gebärmutterschleimhaut soll es wie bei einer Entzündung im Körper zu einer Aktivierung der weißen Blutkörperchen (Leukozyten) kommen. Die Leukozyten sind in Deinem Körper für die Infektabwehr zuständig. Als weiße Blutkörperchen schwimmen sie durch Dein Blutplasma und sind ständig auf der Suche nach Entzündungen oder Verletzungen. Sie schütten bei ihrer Arbeit sogenannte Zytokine aus, das sind Proteine, die für die örtliche Signalübertragung wichtig sind. Durch die durch das Scratching herbeigeführte leichte Verletzung soll diese Signalgebung aktiviert und damit die Einnistung gefördert werden.

Verbesserung der Einnistung?

Für eine Einnistung braucht es einen Embryo, der die Fähigkeit besitzt in die Gebärmutterschleimhaut einzuwandern und sich mit den mütterlichen Gefäßen zu verbinden. Gleichzeitig ist aber auch eine empfangsbereite Gebärmutter wichtig und genau hier will das Endometrium Scratching ansetzen. Allerdings ist die erhoffte positive Wirkung und verbesserte Chance auf eine Schwangerschaft nicht nachgewiesen, Zweifel sind also mehr als berechtigt.

Neue Studie

Eine im New England Journal of Medicine erschienene prospektive, randomisierte offene Studie verstärkt nun diese Zweifel. Dabei wurden 1.364 Frauen untersucht, die eine IVF entweder im Frische- oder Kryozyklus durchführen ließen.

Das Ergebnis: Die Lebendgeburtenrate war in beiden Gruppen (mit und ohne Scratching) mit 26,1% gleich hoch! Das Endometrium Scratching hatte also offenbar keine positive Auswirkung. 

Endometrium Scratching: Time to stop?!

Wenn es Dir vielleicht wie vielen Frauen hier auf kindeshalb so geht, dass sie seit langer Zeit versuchen schwanger zu werden und fast alles tun würden, um ihre Chancen zu verbessern, so möchte ich Dich vor solchen fraglichen Techniken wie das Scratching warnen. Ich kenne das Gefühl unbedingt mehr tun zu wollen, um schwanger zu werden nur zu gut, gleichzeitig gibt es im Bereich der künstlichen Befruchtung eine Reihe von Techniken, deren Wirkung nicht wirklich nachgewiesen ist. Das Endometrial Scratching scheint nach der neuesten Studie keine Vorteile zu bringen, deshalb würde ich mich persönlich hier sehr zurückhaltend verhalten und sicherlich dafür kein zusätzliches Geld im sowieso schon finanziell sehr aufwendigen Therapieprozess ausgeben.

Herzliche Grüße

Silke

Literatur:

  • Sarah Lensen et al.: A Randomized Trial of Endometrial Scratching before In Vitro Fertilization. N Engl J Med 2019; 380: 325 – 334.
  • Ben W. Mol und Kurt T. Barnhart: Scratching the Endometrium in In Vitro Fertilization — Time to Stop. N Engl J Med 2019; 380: 391 – 392.
  • Amerigo Vitagliano et al.: Endometrial scratching for infertile women undergoing a first embryo transfer: a systematic review and meta-analysis of published and unpublished data from randomized controlled trials. Fertility & Sterility, im Druck.
  • Nastri CO, Lensen SF, Gibreel A, Raine-Fenning N, Ferriani RA, Bhattacharya S, Martins WP: Endometrial injury in women undergoing assisted reproductive techniques. Cochrane Database Syst Rev. 2015 Mar 22;(3):CD009517. doi: 10.1002/14651858.CD009517.pub3.
  • El-Toukhy T, Sunkara S, Khalaf Y: Local endometrial injury and IVF outcome: a systematic review and meta-analysis. Reprod Biomed Online. 2012 Oct;25(4):345-54. doi: 10.1016/j.rbmo.2012.06.012. Epub 2012 Jun 26.
  • Nastri CO, Gibreel A, Raine-Fenning N, Maheshwari A, Ferriani RA, Bhattacharya S, Martins WP.: Endometrial injury in women undergoing assisted reproductive techniques. Cochrane Database Syst Rev. 2012 Jul 11;7:CD009517. doi: 10.1002/14651858.CD009517.pub2.
  • Sachin A Narvekar, Neelima Gupta, Nivedita Shetty, Anu Kottur, MS Srinivas, and Kamini A Rao: Does local endometrial injury in the nontransfer cycle improve the IVF-ET outcome in the subsequent cycle in patients with previous unsuccessful IVF? A randomized controlled pilot study. J Hum Reprod Sci. 2010 Jan-Apr; 3(1): 15–19.

Foto: Bigstockphoto.com ©  dashkindobrui

By |2019-03-01T22:44:00+02:00März 1, 2019|

Verhindert Stress die Einnistung nach einer künstlichen Befruchtung?

Lass es jetzt unbedingt ruhiger angehen und entspann Dich! Wenn Du einen Kinderwunsch hast und vielleicht gerade in Behandlung in einem Kinderwunschzentrum bist, dann kennst Du diesen Tipp aus Deinem Familien- oder Freundeskreis bestimmt auch. Ich habe selbst lange Zeit geglaubt, dass Stress die Einnistung nach einer künstlichen Befruchtung negativ beeinflusst und mich deshalb um Entspannung und inneres Gleichgewicht bemüht. Doch ist das richtig, steigen die Erfolgschancen bei der Kinderwunschbehandlung, wenn Du nicht gestresst bist?

Stress & Einnistung: Neue Metaanalyse

Eine künstliche Befruchtung bedeutet unglaublich großen Stress: Viele Untersuchungen und Termine, die Hormone, das Warten, die Ungewissheit und nicht zuletzt die finanzielle Belastung machen es fast unmöglich sich zu entspannen. Doch hat dieser Stress auch Einfluss auf den Erfolg der Behandlung?

Nach dem Sex Beine hoch, um schwanger zu werden?

Eine neue Übersichtsarbeit wurde jetzt von der Stony Brook Universität im US-Bundesstaat New York veröffentlicht. Die Wissenschaftler werteten dafür 20 prospektive Studien aus, in denen die Belastung durch Stress vor und während der Kinderwunschbehandlung erfasst und in Beziehung zum positiven oder negativen Ausgang der Therapie gesetzt wurde. Insgesamt wurden dazu die Daten von mehr als 4.300 Frauen untersucht.

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Das Ergebnis: Stress, aber auch depressive Symptome scheinen sich nicht negativ auf die Schwangerschaftsraten nach einer künstlichen Befruchtung auszuwirken. Die Autoren kommen zu dem Ergebnis, dass es begründbare Zweifel gibt, dass ein „sich Entspannenmüssen“ notwendig ist, um mithilfe einer IVF schwanger zu werden. Stress hat damit ganz offenbar  keine Auswirkungen auf die Erfolgsraten einer künstlichen Befruchtung.

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Stress mindert nicht die Erfolgschancen einer IVF

Was für eine gute Nachricht! Sie nimmt den Druck und die Angst selbst schuld zu sein, wenn es nach der Behandlung nicht mit der Schwangerschaft klappen sollte. Trotzdem macht es natürlich Sinn den eigenen Stresslevel zu senken und beispielsweise durch eine psychologische Beratung vor oder während der Kinderwunschbehandlung wichtige Fragen oder belastende Aspekte der Therapie zu beleuchten. Hier geht es dann aber darum, die eigene Lebensqualität zu verbessern und mögliche negative Auswirkungen der Behandlung auf die Beziehung anzusprechen. Auch Yoga oder andere Entspannungstechniken können hilfreich sein. Die Erfolgsraten nach der künstlichen Befruchtung scheinen davon nicht beeinflusst zu werden.

Stress verhindert die Einnistung nicht

Ein negatives Testergebnis nach einer IVF ist demnach nicht auf die fehlende eigene Stressresistenz zurückzuführen. Bitte teile diesen Artikel mit Freunden und Bekannten, damit sich der vermeintlich gut gemeinte Ratschlag, dass Entspannung wesentlich für das Eintreten einer Schwangerschaft ist, nicht weiter verbreiten kann.

Herzliche Grüße

Silke

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Quellen

  • Nicoloro-SantaBarbara J, Busso C, Moyer A, Lobel M: Just relax and you’ll get pregnant? Meta-analysis examining women’s emotional distress and the outcome of assisted reproductive technology. Soc Sci Med. 2018 Sep;213:54-62.
  • Boivin J ,Griffiths E, Venetis CA: Emotional distress in infertile women and failure of assisted reproductive technologies: Meta-analysis of prospective psychosocial studies. BMJ 2011; 342:d223 doi: 10.1136/bmj.d223.

Foto: Bigstockphoto.com / ©  deagreez

By |2018-11-22T00:08:03+02:00November 22, 2018|

Schwanger mit 38: Welche Chancen bietet die IVF?

Wie stehen die Chancen mithilfe einer IVF im Alter von 38 und mehr Jahren schwanger zu werden und wie hoch ist die Lebendgeburtenrate in diesem Lebensalter? Spielt die Anzahl der Eizellen, die bei der Punktion gewonnen wurden, eine Rolle?

Schwanger mit 38

Aus vielen E-Mails, die ich im Laufe meiner Arbeit als Kinderwunsch Bloggerin erhalten habe, weiß ich, dass die Frage nach den Chancen der IVF bei Frauen im Alter von 38 und mehr Lebensjahren eine große Rolle spielt. Lohnt sich der ganze Stress, das emotionale Auf und Ab und der erhebliche finanzielle Aufwand wirklich? Ich bin der festen Überzeugung, dass eine ehrliche Beratung von Kinderwunschpaaren, bei denen die Frau 38 Jahre oder älter ist, wesentlich ist und dass diese auch relevanten Zahlen zu den Chancen enthalten sollte.

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Eine dänische Forschergruppe hat in einer retrospektiven Studie die Daten von 4500 Frauen ausgewertet, die im Alter von 38 und mehr Jahren ihren ersten IVF Zyklus begonnen hatten. Im Fokus stand hierbei die kumulierte Lebendgeburtenwahrscheinlichkeit, das bedeutet, dass sowohl die Geburten, die nach einem Transfer von frisch gewonnenen Eizellen als auch nach einem Kryo-Zyklus entstanden waren, gezählt wurden.

IVF mit 38: Chancen

Tatsächlich und wenig überraschend war die Lebendgeburtenwahrscheinlichkeit vom Alter der Frau abhängig. Hier kommen die Zahlen:

Alter der Frau38 – 39 Jahre40 – 41 Jahre42 – 43 Jahre ≥44 Jahre
Lebendgeburtenwahrscheinlichkeit25.9%16.4%7%1.2%

Die Wahrscheinlichkeit für eine Geburt unter Frauen im Alter von ≥38 Jahren nach einer IVF nimmt mit zunehmendem Alter ab. Während diese im Alter von 38 bis 39 Jahren bei 25.9% und im Alter von 40 bis 41 Jahren bei 16.4% liegt, erfolgt der stärkste Rückgang im Alter von 42 bis 43 Jahren mit nur noch 7%. Schlusslicht bildet eine Lebendgeburtenrate nach IVF im Alter von ≥44 Jahren mit 1.2%.

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Auch die Anzahl der gewonnenen Eizellen spielt dabei eine Rolle: Je höher die Anzahl der verwendbaren Eizellen war, desto höher war auch die Lebendgeburtenrate. Allerdings spielte dieser Faktor besonders in der Altersgruppe von bis zu 41 Jahren eine Rolle und wurde bei höherem Alter (42 bis 43 Jahre) deutlich unwichtiger.

Fazit: Schwanger mit 38?

Die Zahlen sind frustrierend. Besonders für die Frauen über 40 Jahre sind die Erfolgsaussichten mithilfe einer IVF bald ein Baby in den Armen halten zu können, nicht sonderlich gut. Umso wichtiger finde ich es, dass betroffene Kinderwunsch Paare um diese Zahlen wissen, um zu einer realistischen Einschätzung ihrer Situation zu kommen und um abwägen zu können, ob dieser Behandlungsweg der richtige für sie ist. Es lohnt sich, sich ausführlich beraten zu lassen.

Herzliche Grüße

Silke

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Quellen

Marta Devesa et al.: Cumulative live birth rates and number of oocytes retrieved in women of advanced age. A single centre analysis including 4500 women ≥38 years old. Human Reproduction, Volume 33, Issue 11, 1 November 2018, Pages 2010–2017,https://doi.org/10.1093/humrep/dey295.

Foto: Bigstock.com / © Laboko

By |2018-11-06T23:52:05+02:00November 6, 2018|