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Fehlgeburt: Was Du niemals sagen solltest!

Von | 2017-01-23T08:05:37+00:00 April 30, 2015|Kinderwunsch Blog, Sternenkinder|7 Kommentare

Das Erleben einer Fehlgeburt ist für viele Frauen ein tiefer Einschnitt in ihr Leben.

Viele Frauen und Paare sind oftmals überrascht von den intensiven Gefühlen, die eine Fehlgeburt auslösen kann.

Und das ist mehr als verständlich:

Wir verbinden mit einer Schwangerschaft die Entstehung neuen Lebens und die Geburt eines Babys.

Gedanklich und emotional ist uns unser Kind schon ganz nahe, der zukünftige gemeinsame Lebensweg steht fest.

Dass Fehlgeburten leider zum Leben einer Frau und eines Paares dazugehören können, wissen viele nicht.

Umso schockierender die Nachricht, dass das Kind nicht (weiter)leben wird oder das Herz aufgehört hat zu schlagen.

Der Schock sitzt tief und es gibt kaum eine Vorstellung, wie diese Nachricht verarbeitet werden kann.

Ich war in meinem beruflichen Alltag bei Kindeshalb immer wieder überrascht, was betroffene Frauen und Paare von ihrer Familie, von Freunden und Bekannten zu hören bekommen, wenn diese von der Fehlgeburt erfahren.

Deshalb kommt hier eine Liste von 5 Punkten, die Du niemals zu einer betroffenen Frau oder einem betroffenen Paar sagen solltest.

 

Fehlgeburt: Was Du niemals sagen solltest

1. „Das Schicksal wollte es so“

Für jemanden, der gerade einen schweren Verlust verkraften muss, kann die Aussage „das Schicksal wollte es so“ sehr verletzend sein.

Schnell kann die Vorstellung entstehen, dass das Schicksal für das Leben der betroffenen Person keine Kinder vorgesehen hat.

Und es stellt sich die Frage, was das Schicksal zukünftig noch bringen wird.

Selbst Frauen und Paare, die keinerlei Hang zum Aberglauben haben und mit beiden Beinen im Leben stehen, berühren solche Gedankengänge sehr.

 2. „Mit Deinem Kind stimmte irgendetwas nicht“

Immer wieder höre ich diese Art von Bemerkung.

Inhaltlich mag dieser Gedanke vielleicht sogar richtig sein. Es gibt viele Faktoren, die zu einer Fehlgeburt führen können.

Allerdings möchte ich deutlich darauf hinweisen, dass eine solche Bemerkung nicht tröstend wirkt.

Das Wissen um mögliche Erkrankungen oder Fehlbildungen des eigenen Kindes mindert nicht den Verlust und die Trauer.

 3. „Du kannst wieder schwanger werden“

Dies ist eine Bemerkung, die einem Tritt in die Magengrube gleich kommt.

Leider ist sie sehr beliebt und betroffene Personen hören sie sehr oft in ihrem Umfeld.

Für ein Paar, das bereits eine enge Bindung zu seinem ungeborenen Kind aufgebaut und sich viele Gedanken über das gemeinsame Leben gemacht hat, wirkt sie sehr verletzend.

Die Trauer um das Kind verschwindet nicht, indem man es durch eine neue Schwangerschaft ersetzt.

Eine Frau, die bereits schwanger war und ihr Kind nicht austragen konnte oder durfte, macht sich viele Gedanken.

Sie fragt sich nicht nur, ob sie wirklich wieder schwanger werden kann, sondern auch, ob sie überhaupt fähig ist, ein Kind auszutragen.

Viele Frauen erzählen, dass Sie Angst haben, nicht mehr schwanger werden zu können oder nicht die Fähigkeit besitzen, ein Kind bis zur Geburt auszutragen.

4. „Du bist nicht mehr die oder der Jüngste“

Es ist erstaunlich, dass es Menschen gibt, die glauben, dass ein Hinweis auf das Alter der Betroffenen eine angemessene Reaktion auf deren Fehlgeburt ist.

Zwar gibt es den Zusammenhang zwischen Fruchtbarkeit und Alter, aber eine solche Reaktion frustriert und hinterlässt das betroffene Paar einsam mit seiner Erfahrung zurück.

5. Du sagst nichts und ignorierst die Fehlgeburt

Wenn Dir jemand vertrauensvoll von einer Fehlgeburt erzählt oder Dich auf andere Art und Weise davon wissen lässt, ist es fatal, wenn Du nicht darauf reagierst und die Fehlgeburt ignorierst.

Jede und jeder weiß, wie schwer es ist, in solchen Situationen die richtigen Worte zu finden.

Die Begegnung mit trauernden Menschen ist anstrengend und fordert viel Einfühlungsvermögen.

Mein Tipp: Du musst keine perfekt eloquente und einfühlsame Antwort finden.

Hier ist weniger mehr.

Ein „es tut mir leid, was Euch passiert ist“ lässt das betroffene Paar wissen, dass Du an Sie denkst und Dich in ihre Situation einfühlen kannst.

 

Herzliche Grüße

Silke

 

Über den Autor:

Mein Name ist Silke und Kindeshalb ist mein Kinderwunsch Blog. Wenn du Tipps zum Schwanger werden suchst, bist du hier genau richtig. Bei Fragen melde dich gerne!

7 Kommentare

  1. Mum16 2. Mai 2018 um 12:52 Uhr - Antworten

    Liebe Silke,

    im vergangenen Jahr musste ich drei Fehlgeburten ertragen. Fast alle Deiner aufgelisteten Sätze musste ich mir anhören. Besonders schlimm sind die flapsigen Aussagen wie „das Kind wäre ja sowieso behindert geworden. Sei froh, dass die Natur dies regelt.“ Schlimm waren auch die Aussagen „Du setzt Dich zu sehr unter Druck, das kann ja nichts werden“. Dass ein Herz aufhört zu schlagen, weil man sich „zu sehr unter Druck setzt“ halte ich für großen Schwachsinn und für eine versteckte Schuldzuweisung.
    Ein Bekannter erzählte mir von der Fehlgeburt seiner Frau, ohne von meinen zu wissen. Wie bei Myras Erlebten sagte er, dass es nicht tragisch sei, das Herz hätte noch nicht geschlagen. Eine meiner Fehlgeburten war in der 6. SSW, das Herz hat noch nicht geschlagen. Getrauert habe ich trotzdem. Als ich damals wegen einer leichten Blutung im Krankenhaus war, sagte mir die Ärztin nur, dass sie mir nicht sagen kann, wie es ausgehen wird, es ist halt „nur ein Zellhaufen“.

    Meine letzte Fehlgeburt war in der 9.SSW. Ich bekam starke Blutungen, wusste schon was mich erwartet. Ich habe den Embryo zuhause über der Badewanne ausgetragen. Als alles „vorüber“ war, fuhren mein Mann und ich ins Krankenhaus, da die Blutungen immer stärker wurden. Den Embryo -unser Baby- nahmen wir mit um ihn der Ärztin zu zeigen. Nach Abschluss der Untersuchung fragte sie uns, was wir mit dem „Gewebestück“ machen möchten, sie würde ihn gern entsorgen.

    Mein Text ist leider sehr lang geworden, aber macht hoffentlich deutlich, dass sowohl von Freunden, Familie und Fachpersonal ein Baby in einem so frühen Entwicklungsstadium noch nicht als wertvoll betrachtet wird.

    Euch allen wünsche ich, dass Ihr soetwas nicht erneut durchstehen müsst.
    Alles Gute!

    • Silke 2. Mai 2018 um 18:56 Uhr - Antworten

      Liebe S.,

      du schreibst mir aus dem Herzen. Ich frage mich oft, warum Menschen auf solche Weise urteilen und wer ihnen das Recht dazu gibt. Jede Fehlgeburt ist eine Tragödie, warum ist ein großer Teil unserer Umwelt nicht zu Mitgefühl bereit? Ich komme hier wirklich an meine Grenzen. Ich hatte selbst eine Fehlgeburt in der 7. SSW, eine Windmole (was für ein Begriff!) und musste mir auch anhören, dass das eh kein Baby „drin“ war. Ja, das mag richtig sein und trotzdem war die Trauer überwältigend.
      Liebe S., mich macht es sehr traurig, wenn ich lese, was du erleben musstest. Dein Babies waren keine „Gewebestücke“, sondern so unendlich mehr!!!
      Ich persönlich überlege bei solchen Erfahrungen immer, ob es irgendetwas gibt, was ich daraus mitnehmen und lernen kann. Nicht, um mir die Situation schön zu reden, sondern um genau hinzufühlen, was mir wichtig ist und welche Werte ich auf keinen Fall zur Diskussion stellen werde. Der Respekt vor jedem Menschen, auch und gerade zu Beginn jeder Schwangerschaft, gehört definitiv für mich dazu. Jedes Leben ist wertvoll und mich stärken Erfahrungsberichte wie jetzt von Dir, liebe S., hier nicht nachzulassen.

      Herzliche Grüße

      Silke

  2. Myra 18. Januar 2018 um 11:55 Uhr - Antworten

    Zu dieser Liste würde ich gerne noch hinzufügen was mir eine Freundin, die selbst zwei FG hatte, sagte. „Für mich war das noch kein Mensch – das beginnt erst mit dem Herzschlag.“. Das mag ihre Meinung sein und um es zu relativieren fügte sie großzügig hinzu, dass sie mir meine Trauer natürlich zugesteht, aber…. und dann kam dieser Satz. Ich kann nicht in Worte fassen wie unfassbar verletzend das war. Sowas sagt man nicht.

    • Silke 18. Januar 2018 um 19:37 Uhr - Antworten

      Liebe Myra,

      herzlichen Dank für deinen Kommentar. Da deine Freundin selbst 2 Fehlgeburten hatte, frage ich mich auch, wie sie so einen Satz sagen kann. Entweder denkt sie wirklich so (und dann kann auch ich mich davon nur geschockt abgrenzen) oder sie hat sich diese Meinung zum Selbstschutz zugelegt, weil ein Zulassen der Gefühle zu schmerzhaft wäre. Ich persönlich glaube und habe es selbst in der Zeit nach meiner Fehlgeburt so erfahren, dass der Tod des eigenen Kindes (und die Beziehung beginnt meiner Meinung nicht erst mit dem Herzschlag) zu den schmerzhaftesten Ereignissen im Leben einer Frau und eines Paares gehören. Natürlich kann man jetzt auf anderer Ebene diskutieren, wann menschliches Leben beginnt und hier unterschiedliche Meinungen vertreten. Doch dabei geht es eher um ethische Aspekte am Beginn menschlichen Lebens, daneben gibt es aber das Erleben und die Gefühlswelt als Eltern dieses Kindes, auch wenn es noch winzig klein war.

      • Myra 24. Januar 2018 um 14:26 Uhr - Antworten

        Liebe Silke, ich habe deine Antwort eben erst gelesen – vielen Dank dafür. Genau das ist es, die Beziehung beginnt schon viel früher. Im Grunde im Moment des positiven Schwangerschaftstests. Sie selbst hatte ihre FG in der 8. und in der 11. SSW, meine war in der 6. SSW. Die Frage bleibt warum sie das getan hat – um ihren SSW mehr Bedeutung zu geben? Ist ihr Verlust mehr wert? Sie hatte mir Wochen zuvor schon gesagt, dass sie für mich nicht da sein kann/will und das musste ich erstmal akzeptieren. Nun ja, Antworten werde ich nie bekommen, denn nach dieser letzten Aussage bzgl des Lebens habe ich den Kontakt abgebrochen. Ganz schlimm fand ich auch das unter dem Deckmantel Ehrlichkeit und Offenheit zu rechtfertigen. Es gibt eine Ehrlichkeit, die unangebracht ist und auch in einer guten Freundschaft zu weit geht. Nachdem ich es inzwischen endlich geschafft habe meinem Partner zu erzählen warum ich den Kontakt abgebrochen habe, fühle ich mich aber besser. Er hat mir zugestimmt, es trifft auch ihn schwer und nun kann er meine Entscheidung verstehen. Das war ein wichtiger Schritt im Verarbeitungsprozess. Alles Liebe – Myra.

        • Silke 24. Januar 2018 um 19:12 Uhr - Antworten

          Liebe Myra,

          ich kann Deine Entscheidung auch sehr gut verstehen. Vielleicht gibt es zu einem späteren Zeitpunkt nochmal die Chance mit ihr darüber zu reden und ihr deutlich zu machen wie sehr dich ihre Aussage getroffen hat. Manchmal macht man und sagt man Dinge, die man später selbst nicht mehr nachvollziehen kann. Wer weiß, welchen innerlichen Prozess sie durchläuft. Sehr wahrscheinlich braucht sie gerade auch jedes Fünkchen Kraft und deshalb vielleicht auch diese Abgrenzung zu Dir hin.

          Aber ich will ihr Verhalten nicht rechtfertigen. Ich glaube, gerade im Themenfeld Sterben und Tod sind Vergleiche (z.B. Dein Kind war ja noch kein Mensch oder Deine Mutter konnte wenigstens friedlich einschlafen usw.) wirklich gar nicht angebracht, suggerieren sie doch immer, dass der andere weniger leiden und trauern muss als man selbst. Zum einen stimmt das nicht und zum anderen hilft das auch nicht weiter. Selbstverständlich ist ihr Verlust nicht mehr wert als Deiner. Ich erinnere mich gerade wieder an meine eigene Fehlgeburt (eine Windei, auch ohne Herzschlag). Ich habe viele Wochen und Monate lang innerlich nach meinem Kind gesucht, es unendlich vermisst. Auch wenn im Ultraschall nur eine leere Fruchthöhle zu sehen war.
          Liebe Myra, ich wünsche Dir viel Kraft. Schade ist, dass die Beziehung zu Deiner Freundin zerbrochen scheint. Aber manchmal muss man klar Haltung beziehen, um sich nicht selbst zu verlieren.

          Liebe Grüße

          Silke

  3. Julia Schneider 10. August 2017 um 7:14 Uhr - Antworten

    Hallo Silke,
    ich war in der 12 Woche schwanger als ich von einer Vertretungsärztin erfuhr, dass mein Kind nicht mehr lebt. Ihre genauen Worte lauteten: „es tut mir leid, aber ihr Kind hat keinen Herzschlag“. In diesem Moment konnte war ich völlig emotionslos und weggetreten. Ich sagte: „was das kann doch nicht sein“ und sah das Kind in der Embryostellung auf dem Monitor. Ich bemerkte dann nach näherem Betrachten keine Bewegung des Neugeborenen. Meine Schwester und Mutter wurden kurze Zeit später benachrichtigt und kamen in die Praxis. Erneut untersuchte mich die Ärztin und das Ende der Geschichte war missed abortion. Genau dieser Satz stand plötzlich in meinem Mutterpass, den ich zuvor immer überall mitgenommen habe. 12 Wochen sind eine verdammt lange Zeit! Ich wollte das Baby so sehr! Ohne Worte fuhren wir ins Krankenhaus und ließen uns dann nach 5 Stunden Wartezeit die Diagnose erneut stellen. Ein Tag später war dann die geplante Operation und das Kind war weg. Alle schönen Gedanken an das Kind verblassten, es fühlte sich seltsam an zu wissen ein totes Kind in mir zu tragen. Ich wollte und konnte das nicht mehr. Seit mehreren Tagen sitze ich und weine und trauere und versuche einfach alles um das ungeschehen zu machen. Ich habe das so geliebt schwanger zu sein, es war ein schönes Gefühl.

    Bitte helfe mir.

    Grüße Julia

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