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Menschen hautnah: Sehnsucht Kind. Ein Interview mit Janine

Die Sendereihe Menschen hautnah des WDR strahlte am 06.10.2016 von 22:40 – 23:25 Uhr die Reportage „Sehnsucht Kind – ein Paar gibt die Hoffnung nicht auf“ aus.

Ich hatte die Gelegenheit mit Janine im Vorfeld der Erstausstrahlung ein Interview zu führen.

Silke:

Liebe Janine, am 06. Oktober findet im WDR von 22:40 – 23.25 Uhr die Erstausstrahlung  von „Sehnsucht Kind“ statt.

Im Zentrum der Reportage stehen Du und Dein Mann Torben und Eure gemeinsame Kinderwunschzeit.

Was hat Dich und Deinen Mann dazu bewogen Euch von einem Fernsehteam für die Sendereihe „Menschen hautnah“ begleiten zu lassen?

Janine:

Als wir angefangen haben uns mit dem Thema Kinderwunsch näher zu befassen, haben wir schnell bemerkt, dass das ein Thema ist, über das gerne gesprochen wird.

Es standen uns viele Menschen mit sehr liebenswürdigen Geschichten und Ratschlägen zur Seite.

Mit jedem weiteren Zyklus nahm diese Teilnahme aber nach und nach ab.

Und sie erfuhr schließlich einen dicken Cut als wir uns entschieden haben eine Kinderwunschklinik aufzusuchen.

Von diesem Moment an konnten wir noch so offen über das Thema sprechen, unser soziales Umfeld hat sich zunehmend mehr verschlossen.

Obwohl es sich noch immer um denselben Wunsch, nämlich um unser Wunschkind handelte, wurde das Thema plötzlich nur noch mit gesenkter Stimme und hinter vorgehaltener Hand besprochen.

Als Kinderwunschpaar befindest du dich zu diesem Zeitpunkt in einer Lebensphase, die von vielen Hochs und Tiefs geprägt ist und in der die Hormone extrem Karussell fahren.

In dieser Zeit hätte uns die Unterstützung von Familie, Freunden und Bekannten sicherlich sehr viel Kraft und Halt gegeben.

In unserem Fall gab uns unser soziales Umfeld jedoch das Gefühl, dass wir lieber alles verheimlichen und möglichst niemanden öffentlich zu diesem Thema ansprechen sollten.

Denn was sollten nur die Nachbarn denken oder die Tante?

[bctt tweet=“Unerfüllter #Kinderwunsch ist immer noch ein großes Tabuthema.“ username=“kindeshalb“]

Wir sollten nicht weiter über die Themen Unfruchtbarkeit und Kinderwunschbehandlungen sprechen.

Und wir hatten schnell das Gefühl, dass uns mit diesen Reaktionen ein schlechtes Gewissen eingepflanzt wurde.

Dieses schlechte Gewissen sorgte bei uns dafür, dass wir uns permanent einem starken inneren Druck ausgesetzt fühlten.

In Gesprächen mit anderen Kinderwunschpaaren wurde uns dieser Umgang der Gesellschaft mit dem Thema Kinderlosigkeit durch ähnliche Erfahrungen immer wieder bestätigt.

Sogar in unserer eigenen Familie haben wir ein Paar, das durch die Hilfe einer Kinderwunschklinik bereits zum wiederholten Male den Geburtstag Ihres Kindes als Familie feiern durfte.

Allerdings weiß niemand von dem langen Kampf und der harten Kinderwunschzeit dieses Paares.

Als wir den Aufruf der Sendereihe Menschen hautnah in einer Kinderwunschgruppe bei Facebook gelesen haben, haben wir dies als unsere Chance gesehen das Thema endlich öffentlich zu machen.

Wir würden uns sehr wünschen, dass die Reportage „Menschen hautnah: Sehnsucht Kind“ zu mehr Bereitschaft für einen offenen Dialog und zu mehr Sensibilität für das  Thema führen würde.

Die Anzahl von Paaren mit unerfülltem Kinderwunsch ist groß und jedes dieser Paare sollte offen sprechen und auf die Feinfühligkeit und Offenheit seiner Mitmenschen setzen können.

[optinform]

Silke:

Das Fernsehteam hat Euch 2 Jahre begleitet. Wie hast Du diese Zeit erlebt?

Janine:

Die letzten 2 Jahre kann ich als die erlebnisreichste und emotional belastendste Zeit in meinem Leben beschreiben.

Wir haben uns vor laufender Kamera in eine Kinderwunschklink begeben, ein Haus gebaut und beide einen beruflichen Wechsel vollzogen.

In dieser Zeit war Florian Aigner von Menschen hautnah immer an unserer Seite und hat uns Fragen gestellt, die wir uns selber so vielleicht nie gestellt hätten.

Durch seine außergewöhnlich einfühlsame Art und seinen hervorragenden Journalismus haben wir ihn zu keinem Zeitpunkt als Störfaktor angesehen.

Viele Gespräche waren sehr tiefgründig – wie mit einem guten Freund.

Durch diese Gespräche haben wir schnell angefangen uns selbst, aber auch unser Umfeld mit anderen Augen zu sehen.

Beeindruckend große Unterstützung für die Dreharbeiten kam von unseren Familien und engen Freunden, die ebenfalls für sehr intime Interviews zur Verfügung standen.

Den auch für sie war unsere Kinderwunschzeit emotional sehr aufwühlend, da unser Kinderwunsch auch ihr Familienleben und ihre Freundschaft zu uns betroffen und verändert hat.

Besonders in Erinnerung geblieben ist mir  der Moment, als uns das Fernsehteam bei unserem Richtfest filmte und Gäste aus diesem Grund nicht an der Feier teilnahmen.

Hier hätten wir uns mehr Unterstützung und Toleranz für unseren langen Kinderwunschweg gewünscht.

Es gab aber auch viele wirklich besondere Momente, die mir in Erinnerung geblieben sind.

Sehr spannend waren beispielsweise die  Dreharbeiten während unseres Urlaubs in Berlin.

Von einer Kamera begleitet das Brandenburger Tor zu besichtigten und dabei von anderen Touristen fotografiert zu werden war sehr außergewöhnlich und amüsant.

Silke:

Viele Kinderwunschpaare halten ihre Kinderwunschzeit oft aus Angst vor unsensiblen Kommentaren und vermeintlich guten Ratschlägen geheim.

Ihr geht einen anderen Weg.

Welche Wünsche habt Ihr beide im Hinblick auf die bald stattfindende Veröffentlichung Eurer Kinderwunschgeschichte?

Welche Reaktionen erhofft Ihr Euch?

Janine:

Wir wünschen uns von Herzen, dass wir anderen Kinderwunschpaaren Mut machen können.

Wir erhoffen uns mehr Feinfühligkeit und Toleranz  für dieses Thema und für die vielen Frauen und Männer, die dieses Schicksal betrifft

[bctt tweet=“Wir träumen von einer #Gesellschaft, in der das Thema #Kinderwunsch nicht mehr tabuisiert wird.“ username=“kindeshalb“]

In Deutschland werden viel zu wenig Kinder geboren.

Viele Paare wünschen sich von ganzem Herzen ein Kind und können kein Baby bekommen.

Ich würde mich sehr freuen, wenn das Schicksal diese Paare öffentlich wahrgenommen würde.

Und es wäre schön, wenn diese Paare auf ihrem Weg unterstützt werden würden.

Denn für viele Paare bedeutet der unerfüllte Kinderwunsch eine lange Leidenszeit, in der sie sich aus Angst vor den Reaktionen anderer nicht mal in Behandlung trauen.

Für uns selbst wünsche ich mir, dass Menschen aus unserem weiteren Umfeld verstehen lernen, was es wirklich  bedeutet ungewollt kinderlos zu sein.

Silke

Was würdest Du anderen Kinderwunschpaaren mit auf den Weg geben wollen? 

Janine:

In erster Linie, dass ihr euch niemals als Paar verliert!

Macht eure Probleme nicht alleine aus, sondern sucht das Gespräch mit eurem Partner oder einer vertrauten Person.

Wir bereuen beispielsweise sehr die Reisen, die wir aufgrund der Behandlungen abgesagt haben.

Nehmt euch Zeit für euch selbst und lasst eure Kinderwunschzeit nicht euer komplettes Leben bestimmen.

Wenn ihr merkt, dass es euch längere Zeit nicht gut geht, dann sucht euch professionelle Hilfe.

Hierzu kann ich euch das Beratungsnetzwerk Kinderwunsch Deutschland (BKiD) empfehlen.

Macht euch frühzeitig über einen Plan B Gedanken und gebt trotzdem die Hoffnung nicht auf.

Wir drücken jedem einzelnen Kinderwunschpaar die Daumen, dass es seinen Weg zum Wunschkind finden mag.

 

Liebe Janine, vielen herzlichen Dank für deine offenen Worte und deine Bereitschaft für ein Interview.

Danke für deine wertvollen Tipps und den Einblick in eine sicherlich außergewöhnliche Zeit deines Lebens.

Ich wünsche dir und deinem Mann für euren weiteren Weg ganz viel Glück, Kraft und dass es ihr bald euer Wunschkind in den Armen halten könnt.

Menschen hautnah: Sehnsucht Kind. Ein Paar gibt die Hoffnung nicht auf.

Hier kommt der Link zur Reportage:  Mediathek des WDR: Sehnsucht Kind.

Herzliche Grüße

Silke

 

Über den Autor:

Mein Name ist Silke und Kindeshalb ist mein Blog für Frauen mit Kinderwunsch. Wenn du Tipps und neue Inspiration für deinen Kinderwunschweg suchst, bist du hier genau richtig. Schau dich um, bei Fragen melde dich gerne!

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