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In vitro Maturation: Verfahren, Erfolgsaussichten, Kosten

Du hast bestimmt schon von einer IVF oder von einer ICSI gehört, doch was ist eine In vitro Maturation?

Eine In vitro Maturation ist eine alternative Behandlungsmethode in  der Reproduktionsmedizin, die es ermöglicht ohne vorherige Hormonstimulation unreife Eizellen zu gewinnen.

Im Folgenden habe ich für Dich genaue Informationen zum Verfahren, den Chancen und Risiken, den Erfolgsaussichten und den Kosten zusammengetragen.

Was bedeutet In vitro Maturation?

Der Begriff In-vitro-Maturation kommt aus dem Lateinischen und bedeutet übersetzt Eizellreifung im Reagenzglas.

Und damit ist eine Beschreibung dieser Methode direkt im Namen enthalten:

Bei einer IVM werden der Frau unreife Eizellen entnommen, die anschließend im Reagenzglas mit Hilfe einer speziellen Nährlösung nachreifen können.

Diese Vorgehensweise scheint auf den ersten Blick für Frauen mit Kinderwunsch sehr attraktiv zu sein.

Im Gegensatz zu einer IVF benötigt man für  eine IVM keine hochdosiertes Hormonstimulation.

Denn während eine IVF das Ziel verfolgt mehrere reife Eizellen aus dem Eierstock zu gewinnen, konzentriert sich die IVM auf die Gewinnung von unreifen Eizellen.

Vorteile einer IVM

Die Vorteile liegen damit sofort auf der Hand.

Eine IVM eröffnet die Chance die belastende Hormonbehandlung einer künstlichen Befruchtung zu umgehen.

Denn diese Hormonbehandlung vor einer IVF oder einer ICSI ist nicht nur unangenehm und aufwendig.

Sie ist oftmals mit Nebenwirkungen verbunden.

Durch die Gabe von Hormonen kann es beispielsweise zu einem ovariellen Überstimulationssyndrom (OHSS) kommen.

Je nach Schweregrad dieses OHSS bedeutet dies für die Frau eine sehr ernst zu nehmende Erkrankung.

Besonders für Frauen mit PCO-Syndrom kann ein OHSS zu lebensgefährlichen Embolien und Thrombosen führen.

Weiterhin können sich viele Frauen (und ich will mich hier deutlich mit einschließen) nur sehr schwer mit dem  massiven Eingriff in den eigenen Hormonhaushalt arrangieren.

Denn es ist bis heute unklar, welche Langzeitfolgen diese Hormontherapie mit sich bringt.

Zwar konnten Studien eher kein erhöhtes Risiko beispielsweise für Brustkrebs aufzeigen.

Eine Sicherheit gibt es allerdings nicht.

Eine IVM stellt daher eine wirkliche Alternative zur IVF oder ICSI dar, um sich nicht diesen möglichen Neben- und Nachwirkungen einer Hormontherapie aussetzen zu müssen.

Darüber hinaus eröffnet eine IVM Frauen mit einer Krebserkrankung die Möglichkeit, ihren Kinderwunsch Wirklichkeit werden zu lassen.

Unreife Eizellen können vor einer Strahlen- oder Chemotherapie entnommen, eingefroren und nach Beendigung der Krebstherapie im Reagenzglas weiter stimuliert werden.

Wie läuft eine In vitro Maturation ab?

Bei einer In vitro Maturation werden die unreifen Eizellen bereits am 8. bis 10. Tag nach der beginnenden Monatsblutung entnommen.

Zur weiteren Reifung werden diese im Reagenzglas  innerhalb von 24 bis 48 Stunden mit den Hormonen FSH (follikelstimulierendes Hormon) und hCG (humanes Choriongonadotropin) stimuliert.

Sobald die Eizellen reif sind, erfolgt die Befruchtung mit den Samenzellen des Mannes und im Stadium als Embryonen ein Transfer in die Gebärmutter der Frau.

Diese Vorgänge nach dem Abschluss der Eizellreifung entsprechen denen der herkömmlichen IVF und ICSI Behandlung.

Nachteile einer In-vitro Maturation

Du ahnst es vielleicht schon.

Eine IVM hat auch erhebliche Nachteile:

  • Niedrigere Schwangerschaftsraten als bei den herkömmlichen Methoden einer IVF oder ICSI Behandlung
  • Höhere Kosten pro Schwangerschaft
  • Hoher technischer Aufwand für die Punktion
  • Unklarheit über fetale Risiken und Zahl der gesunden Geburten nach IVM
  • Viele offene Fragen und noch geringes Zahlenmaterial aus vorliegenden Studien

Aus all diesen Gründen ist die In vitro Maturation als experimentelles Verfahren zu bewerten.

Sie konnte sich bis heute nicht in der klinischen Praxis durchsetzen.

Und es bedarf sicherlich noch einen längeren Weg der systematischen Weiterentwicklung.

Auch die Grundlagen der Eizellereifung müssen weiter untersucht und optimiert werden.

Allerdings  wurden schon über 400 Kinder mit Hilfe einer IVM gesund geboren.

Und dies lässt doch Hoffnung aufkommen.

Neue Studien geben Hoffnung  

Unter der Leitung von Robert Gilchrist aus Australien gelang es einem Team von Wissenschaftlern die Methode der IVM zu verbessern.

Durch Zusätze eines speziellen Wachstumsfaktors (Cumulin) zum Kulturmedium und durch Kombination mit weiteren Signalstoffen konnte die Eizellqualität und spätere Embryonalentwicklung signifikant verbessert werden.

Du kannst die vorab veröffentlichten Ergebnisse der Studie hier nachlesen.

Zur Zeit laufen klinische Studien, um die Erfolge dieser verbesserten Form der IVM weiter zu testen.

Kosten einer IVM

Abschließend  ein Wort zu den Kosten.

Leider wird eine IVM Behandlung nicht von den Krankenkassen übernommen.

Zwar sind die Kosten für Ultraschall, Blutentnahmen, Eizellpunktion, Narkose Laborkosten und Medikamente eher geringer als bei einer IVF oder ICSI Behandlung.

Allerdings bedarf es insgesamt oft mehrere Behandlungszyklen, um eine intakte Schwangerschaft zu erreichen.

Meine Internetrecherche hat Kostenangaben pro Versuch von ca. 600 bis 1500 Euro ergeben.

Die Kosten für Medikamente werden mit 80 bis 110 Euro beziffert.

Wer Erfahrungen oder konkretere Zahlen hat, mag sich bitte bei mir melden.

Insgesamt deutet vieles darauf hin, dass die IVM zukünftig zu einer etablierten Behandlungsmethode von Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch werden wird.

Dies wäre mehr als wünschenswert, da es den Frauen eine hochdosierte Hormontherapie ersparen würde.

 

Literatur:

Mottershead DG, Sugimura S, Al-Musawi SL, Li JJ, Richani D, White MA, Martin GA, Trotta AP, Ritter LJ, Shi J, Mueller TD, Harrison CA, Gilchrist RB
Cumulin, an Oocyte-secreted Heterodimer of the Transforming Growth Factor-β Family, Is a Potent Activator of Granulosa Cells and Improves Oocyte Quality.
J Biol Chem. 2015 Sep 25;290(39):24007-20. doi: 10.1074/jbc.M115.671487. Epub 2015 Aug 8.

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