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Fehlgeburt: Was Du niemals sagen solltest!

Das Erleben einer Fehlgeburt bedeutet einen tiefen Einschnitt in das eigene Leben. Vielleicht liest du diese Zeilen, weil du selbst vor kurzem eine Fehlgeburt hattest oder weil es einen lieben Menschen in deinem Umfeld gibt, die oder der eine Fehlgeburt zu verarbeiten sucht. Wenn ich selbst zurückschaue, dann gehört meine eigene Fehlgeburt sicherlich zu den Geschehnissen in meinem Leben, die mich am meisten berührt haben. Doch warum ist das so?

Wir verbinden mit einer Schwangerschaft die Entstehung neuen Lebens und die Geburt eines Babys. Gedanklich und emotional ist uns unser Kind schon ganz nahe, der zukünftige gemeinsame Lebensweg steht fest.

Und dann kommt diese schockierende Nachricht, dass unser Kind nicht (weiter)leben wird und das Herz aufgehört hat zu schlagen. Der Schock und die Trauer sitzen tief und es gibt kaum eine Vorstellung, wie diese Nachricht verarbeitet werden kann. Auch die Familie, Verwandte und Freunde sind betroffen und es fehlt oft die Erfahrung und das Wissen, wie man auf einfühlsame Weise reagieren und mit der Situation umgehen kann.

So kommt es, dass ich über meinen Kinderwunsch Blog sehr viele Mails von Frauen und Paaren bekomme, die unendlich unter den Reaktionen ihrer Umwelt leiden. Unpassende Kommentare und vermeintlich gut gemeinte Ratschläge, die im wahrsten Sinne des Wortes verbale Schläge sind, verletzen und lassen die Betroffenen geschockt und traurig zurück.

Deshalb kommt hier nun eine Liste mit gesammelten Kommentaren, die du niemals (!) zu einer betroffenen Frau oder einem betroffenen Paar sagen solltest. Vielleicht hast du weitere Ergänzungen für meine Liste, zögere bitte nicht sie mir zu schicken!

Fehlgeburt: Was Du niemals sagen solltest

1. „Das Schicksal wollte es so“

Für jemanden, der gerade einen schweren Verlust verkraften musste, kann die Aussage „das Schicksal wollte es so“ sehr verletzend sein. Schnell kann die Vorstellung entstehen, dass das Schicksal für das Leben der betroffenen Person keine Kinder vorgesehen hat. Zudem stellt sich die Frage, was das Schicksal zukünftig noch bringen wird und warum es gerade einen selbst so hart getroffen hat. Selbst Frauen und Paare, die keinerlei Hang zum Aberglauben haben und mit beiden Beinen im Leben stehen, berühren solche Gedankengänge sehr.

 2. „Mit deinem Kind stimmte irgend etwas nicht“

Immer wieder höre ich diese Art von Bemerkung. Inhaltlich mag dieser Gedanke vielleicht sogar richtig sein, wenn die Fehlgeburt zum Beispiel durch einen genetischen Defekt des Kindes verursacht wurde. Es gibt viele Faktoren, die zu einer Fehlgeburt führen können. Allerdings möchte ich deutlich darauf hinweisen, dass eine solche Bemerkung nicht tröstend wirkt. Das Wissen um mögliche Erkrankungen oder Fehlbildungen des eigenen Kindes mindert nicht den Verlust und die Trauer.

 3. „Du kannst wieder schwanger werden“

Dies ist eine Bemerkung, die einem Tritt in die Magengrube gleich kommt. Leider ist sie als Kommentar aus dem sozialen Umfeld eines betroffenen Paares sehr beliebt. Doch für ein Paar, das bereits eine enge Bindung zu seinem ungeborenen Kind aufgebaut und sich viele Gedanken über das gemeinsame Leben gemacht hat, wirkt sie sehr verletzend.

Die Trauer um das Kind verschwindet nicht, indem man versucht den Verlust durch eine neue Schwangerschaft zu ersetzen. Eine Frau, die bereits schwanger war und ihr Kind nicht austragen durfte, macht sich viele Gedanken. Sie fragt sich nicht nur, ob sie wirklich wieder schwanger werden kann, sondern auch, ob sie überhaupt fähig ist, ein Kind auszutragen. Auch die Männer leiden sehr stark unter dem Verlust und der Frage, ob eine Folgeschwangerschaft überhaupt möglich sein wird. Selbst wenn es vielleicht recht schnell wieder klappt, bleibt die Trauer und Fassungslosigkeit über den Tod stets präsent.

4. „Du bist nicht mehr die oder der Jüngste“

Es ist erstaunlich, dass es Menschen gibt, die glauben, dass ein Hinweis auf das Alter der Betroffenen eine angemessene Reaktion auf eine Fehlgeburt ist. Zwar gibt es den Zusammenhang zwischen Fruchtbarkeit und Alter, aber eine solche Reaktion frustriert und hinterlässt das betroffene Paar einsam mit seiner Erfahrung zurück. Jede Frau und jedes Paar, das sich ein Baby wünscht und vielleicht schon in etwas fortgeschrittenem Alter ist, weiß fast immer um die Risiken einer Fehlgeburt. Wenn es dann tatsächlich passiert hilft dieses Wissen aber nicht weiter, um mit dem Schmerz und der Trauer besser umzugehen. Der Hinweis, dass man aufgrund des Alters ja vorgewarnt hätte sein müssen, verletzt und ist definitiv nicht hilfreich.

5. Du sagst nichts und ignorierst die Fehlgeburt

Wenn dir jemand vertrauensvoll von seiner Fehlgeburt erzählt oder dich auf andere Art und Weise davon wissen lässt, ist es fatal, wenn du nicht darauf reagierst und die Fehlgeburt ignorierst. Ich weiß, dass solche Situationen sehr herausfordernd sein können. Man möchte gerne auf gute Weise reagieren, gleichzeitig fehlen die passenden Worte und die Erfahrung, was in solchen Situationen angemessen ist und was nicht. Es braucht ganz viel Einfühlungsvermögen und oft ist es in der jeweiligen Situation schwierig wertschätzend und empathisch zu reagieren.

Mein Tipp: Du musst keine perfekt eloquente und einfühlsame Antwort geben. Ein „es tut mir leid, was Euch passiert ist“ lässt das betroffene Paar wissen, dass du an sie denkst und dich in ihre Situation einfühlen kannst. Oft ist hier weniger auch mehr. Wenn du total unsicher bist, kannst du auch diese Unsicherheit in Worte fassen und deinem Gegenüber mitteilen, wie sehr dich die Situation berührt und du innerlich nach den richtigen Worten suchst. Auch ein „das macht mich sprachlos“ oder ein einfaches „darf ich dich kurz drücken“ sind ein Zeichen, dass du verstanden hast, worum es gerade geht. Traue dich, deine eigene Betroffenheit auszudrücken! Sie wird es deinem Gegenüber ermöglichen vielleicht auf ähnliche Weise zu reagieren und darin für einen Moment etwas Trost zu finden.

Herzliche Grüße

Silke

Von |2019-09-18T04:44:00+02:008. September 2018|

Erfolgreich schwanger nach Fehlgeburt nach 1. IVF oder ICSI?

Rückblickend war kein Erlebnis für mich so schockierend wie meine Fehlgeburt. Nach der 1. ICSI waren mein Mann und ich überglücklich einen positiven Schwangerschaftstest in den Händen zu halten. Doch bereits beim 1. Ultraschall zeigte sich, dass die Schwangerschaft nicht intakt war. Es folgten weitere Untersuchungen und eine belastende Zeit der Ungewissheit. In der 8. SSW dann die endgültige Diagnose: Kein Herzschlag. Es wurde mir empfohlen eine Ausschabung durchführen zu lassen.

Schwanger nach Fehlgeburt: Wie hoch ist das Risiko für eine 2. Fehlgeburt?

Neben der Aufgabe einen Umgang mit diesem unendlich großen seelischen Schmerz und all dem Erlebten zu finden, stellte sich mir bald die Frage, ob es überhaupt sinnvoll ist, weitere künstliche Befruchtungen durchführen zu lassen. Ich war mir sehr unsicher, ob es für mich überhaupt wieder möglich sein würde schwanger zu werden.

Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit nach einer Fehlgeburt im Rahmen einer IVF oder ICSI wieder und diesesmal erfolgreich schwanger zu werden?

Erfolgreich schwanger nach Fehlgeburt nach IVF

Meine Gedanken und Sorgen aus dieser Zeit kamen mir sofort wieder in den Sinn als ich heute eine neue Studie der Universität von Aberdeen in Schottland gelesen habe.

In dieser Studie wurde mithilfe einer sehr großen Datenbank von insgesamt 112.549 Frauen der Frage nachgegangen, ob eine Fehlgeburt im 1. IVF- oder ICSI Zyklus Rückschlüsse auf den Verlauf folgender Schwangerschaften möglich macht.

Das Ergebnis überrascht und macht gleichzeitig Mut:

Tatsächlich war die Wahrscheinlichkeit einem Baby das Leben zu schenken  bei den Frauen, die im ersten 1. IVF oder ICSI Behandlungsversuch eine Fehlgeburt erlebt hatten um das 1,42fache höher als bei den Frauen, die im 1. Behandlungszyklus nicht schwanger geworden sind. Die kumulative Geburtenrate lag bei den Frauen, die im 1. IVF oder ICSI Zyklus einen Abort, eine Lebendgeburt oder keine Schwangerschaft erlebt hatten nach 2 weiteren Zyklen bei 49%, 40,9% und 30,1%.

Schwanger nach Felgeburt (IVF & ICSI)

Wenn du nach deiner ersten IVF oder ICSI eine Fehlgeburt hattest und du zweifelst, ob du durch eine weitere Behandlung erfolgreich schwanger werden kannst, dann will ich dir gerne Mut machen: Diese sehr umfassende Studie liefert allen Grund weiterzumachen, denn tatsächlich scheint die Geburtenrate nach einer Fehlgeburt sogar um das 1,42 fache höher zu liegen als bei den Frauen, die nach dem erstgen Versuch einen negativen Schwangerschaftstest bekommen haben. Zukünftige IVF oder ICSI Behandlungen müssen nicht zwangsläufig wieder in einer Fehlgeburt enden, vielmehr scheinen die Chancen sogar erhöht bald das eigene Baby in den Armen halten zu können.

Bei Fragen zur Studie melde dich gerne.

Lieber Grüße

Silke

Literatur: 

Natalie J. Cameron et al., Cumulative live birth rates following miscarriage in an initial complete cycle of IVF: A retrospective cohort study of 112,549 women. Human Reproduction, im Druck.

Foto: Bigstockphoto.com / VadimGuzhva

Von |2017-11-03T19:15:07+02:003. November 2017|

Mit dir im Herzen: Gedichte für Sternenmütter

Das Unfassbare ist geschehen und schreckliche Wirklichkeit: Unser Baby ist tot. Viele Paare trifft es völlig unvorbereitet, wenn sie ihr Kind vor oder kurz nach der Geburt zu den Sternen gehen lassen müssen. Aber auch Familienangehörige und Freunde stehen unter Schock und vor der Aufgabe mit diesem unfassbar schmerzhaften Ereignis umzugehen.

Heute möchte ich dir ein Buch vorstellen, dass mich sofort tief berührt hat. Denn es bringt auf ganz einzigartige Weise die Gedanken und Gefühle einer Sternenmutter zum Ausdruck.

Wenn ein Kind stirbt

Inga Elisabeth Ohlsen hat es selbst erlebt. Im Herbst 2011 stirbt ihre erste Tochter völlig unerwartet einen Tag nach der Geburt. In ihrer Zeit der Trauer versucht sie das Unbegreifbare in Worte zu fassen. Dabei entstehen wunderschöne Gedichte für Sternenmütter, die wie ein Spiegel die Gedanken und Gefühle in der Zeit der Trauer abbilden und für Sternenmütter eine wertvolle Hilfestellung bieten können.

Mit dir im Herzen Gedichte für Sternenmütter

Mit dir im Herzen: Gedichte für Sternenmütter

Doch dieses Buch bietet noch viel mehr. Denn auch die Mutter von Inga Elisabeth Ohlsen sucht ihren Weg, um  der Trauer um ihr Enkelkind Ausdruck zu verleihen. Andrea Ohlsen beginnt Skulpturen zu erschaffen, die auf einzigartige Art und Weise das zeigen, was so schwer in Worte zu fassen ist. Und Mutter und Tochter erkennen, dass die Gedichte und Skulpturen sich auf besondere Weise ergänzen und eine Hilfestellung für alle sein können, die den schweren Weg der Trauer um ein Sternenkind gehen müssen.

Gedichte und Bilder für Sternenmütter

„Mit Dir im Herzen: Gedichte für Sternenmütter“ ist ein berührendes Buch für Sternmütter, aber auch für Angehörige und Freunde.

Es ist in drei Abschnitte unterteilt und reflektiert damit die verschiedenen Phasen der Trauer. Es ist sehr ansprechend gestaltet und schafft es, dass man sofort das findet, was in diesem Moment für einen selbst hilfreich und passend ist. Die in die Natur eingebetteten Skulpturen ergänzen die Texte und drücken auf ihre eigene unverwechselbare Weise aus, was nicht in Worte zu fassen ist.

Im letzten Kapitel greift „Mit Dir im Herzen“ das Thema Folgekind auf. Wie kann nach den gemachten Erfahrungen ein weiteres Kind in die Familie kommen? Und wie können die Eltern Vertrauen fassen, dass es bleibt und sich das Schicksal nicht wiederholt?

Meine Buchempfehlung

Ich kann dir „Mit Dir im Herzen: Gedichte für Sternenmütter“ empfehlen.

Mit dir im Herzen - Gedichte für Sternenmütter. Mit Skulpturen von...*
Inga Elisabeth Ohlsen - Herausgeber: edition riedenburg - Auflage Nr. 2 (26.11.2016) - Taschenbuch: 92 Seiten
17,90 €

Es ist sowohl für Sternenmütter, aber auch für Familienangehörige und Freunde, die einen Zugang zum Thema Trauer und der Lebenssituation von Trauernden suchen, geeignet. Es empfiehlt sich für den eigenen Gebrauch, aber auch als Geschenk und Zeichen der Anteilnahme für Trauernde.

Ein starkes Buch, das einlädt der Trauer um ein Sternenkind Raum und Zeit zu geben und das es schafft, Trost und Halt in dieser schwierigen Zeit zu geben.

Auf You Tube findest du „Seelenreise“, das Lied zu den Gedichtbänden für Trauernde. Hör rein, es erwartet dich eine wunderschöne Melodie und ein Text, der unter die Haut geht. Hier findest du auch weitere Fotos der Skulpturen aus den Büchern von Inga.

 

Herzliche Grüße

Silke

Literatur: Mit dir im Herzen. Gedichte für Sternenkinder, Salzburg 2016.

Fotos: Alle Fotos sind dem Buch „Mit dir im Herzen. Gedichte für Sternenkinder“ mit Genehmigung des Verlags entnommen.

Von |2017-06-12T02:10:36+02:009. März 2017|

Mein Kind ist tot: Sternenkinder 2016

seit vielen Tagen geht mir der Gedanke durch den Kopf, einen Blogartikel für die Sternenkinder 2016 zu schreiben. Heute ist der 18. Juli 2016 und die Nachrichten in diesen Tagen sind geprägt von dem Tod  vieler Menschen beim dem Terroranschlag in Nizza.

Auch viele Kinder sind unter den Verstorbenen.

Die Fassungslosigkeit ist groß und genauso grenzenlos ist die Hilflosigkeit gegenüber dem Geschehenen.

Parallel, fast unbemerkt und leise findet der Tod und das Sterben vieler weiterer Kinder statt.

Ich denke an all die Kinder, die in diesem Jahr 2016 in der Schwangerschaft, um die Geburt oder in der frühen Lebenszeit sterben mussten.

Und ich denke an die vielen Eltern, Angehörigen und Freunde, die den frühen Verlust eines Kindes in diesem Jahr irgendwie verkraften müssen.

Das Jahr 2016 ist erst zur Hälfte um.

Gerne möchte ich meine Aufmerksamkeit auch den Menschen schenken, die wissen, dass ihr Kind bald sterben wird.

Oder die es noch nicht wissen und die in den nächsten Monaten eine der schmerzhaftesten Erfahrungen in ihrem Leben machen werden.

So, wie die Angehörigen der toten Kinder in Nizza.

Sie haben jetzt ein Sternenkind.

Mein Kind ist tot: Sternenkinder 2016

Der Tod und das Sterben stellen eine Realität in unserem Leben dar.

Und wir alle ringen und kämpfen, um mit dieser Realität umzugehen.

Wir versuchen zu trauern und zu trösten.

Wir weinen, schreien oder sind ganz leise und fassungslos.

Wir zünden Kerzen an, legen Blumen am Grab nieder.

Wir schreiben Trauerkarten und fragen uns, wie wir den trauernden Angehörigen Hilfe anbieten können.

Es gibt viele Hilfsangebote für Betroffene, die helfen wollen, damit Trauernde nicht an diesen Erfahrungen zerbrechen.

Hilfsangebote für Trauernde wollen konkrete Hilfen zum Umgang mit Gefühlen, Fragen und Gedanken sein.

Sie wollen den Grundstein legen, um irgendwann wieder zu Hoffnung und zu neuem Lebenssinn zu finden.

So wichtig und wertvoll ich all diese Hilfen finde, so deutlich frage ich mich, was gerade zu Beginn trauernden Eltern helfen kann.

Denn zu Beginn der Trauer steht der Schock und die gefühlsmäßige Betäubung.

Das Geschehene ist nicht begreifbar, kaum fassbar und die Verzweiflung  grenzenlos.

Sternenkinder 2016: Wie der Trauer begegnen?                      

Mir fällt hier die alttestamentliche Geschichte von Hiob ein.

Du findest sie im Alten Testament, Hiob 2, 11-13.

Hiob hatte alles verloren.

Seine Kinder waren tot, sein Haus eingestürzt, sein ganzer Besitz verloren.

Geschwüre am ganzen Körper machten ihn krank.

11 „Als aber die drei Freunde Hiobs all das Unglück hörten, das über ihn

gekommen war, kamen sie, ein jeder aus seinem Ort: Elifas von Teman,

Bildad von Schuach und Zofar von Naama. Denn sie waren eins geworden

hinzugehen, um ihn zu beklagen und zu trösten.

12 Und als sie ihre Augen aufhoben von ferne, erkannten sie ihn nicht und

erhoben ihre Stimme und weinten, und ein jeder zerriss sein Kleid und sie

warfen Staub gen Himmel auf ihr Haupt

13 und saßen mit ihm auf der Erde sieben Tage und sieben Nächte und

redeten nichts mit ihm; denn sie sahen, dass der Schmerz sehr groß war.“

 

Aus diesem Abschnitt können wir unendlich viel über Trauerarbeit und Beileid erfahren.

Nachdem seine Freunde von seinem Schicksal erfahren hatten, machten Sie sich sofort auf den Weg zu ihm, um ihrem Entsetzen und ihrem Mitleid Ausdruck zu verleihen.

Sie gehen dem Schmerz und der Trauer nicht aus dem Weg.

Sie bringen ihre Fassungslosigkeit und ihr Mitleid zum Ausdruck.

Sie sagen nicht nur herzliches Beileid, schreiben nicht einfach eineKarte.

Sondern sie erheben ihre Stimmen, sprechen in anderer Tonlage, weinen,

lassen ihren Gefühlen freien Lauf, zerreißen die Kleider – zeigen alle Zeichen der Trauer, wie sie zu der damaligen Zeit üblich waren.

Und sie tun etwas wirklich Großes:

Sie schweigen!

Sieben Tage und sieben Nächte sitzen sie einfach bei Hiob.

Sie reden nichts mit ihm, sie halten seine Trauer aus.

Sie teilen seine Trauer und fühlen mit, wie groß der Schmerz ist.

Sternenkinder 2016: Die Trauer zusammen aushalten

Mich beeindruckt diese Geschichte.

Sie zeigt mir, wie ich mit der Hilflosigkeit der Eltern und Angehörigen, aber auch mit meiner eigenen Hilflosigkeit umgehen kann.

Sie liefert mir einen Handlungsleitfaden, um Betroffenen beizustehen.

Für sie da zu sein und das Geschehene auszuhalten.

Der Tod ist nicht zu begreifen.

Es bleibt nur, die schwere Zeit zu teilen, zusammenzustehen und die Hoffnung nicht aufzugeben, dass es irgendwann wieder neue Hoffnung geben wird.

Hast Du ein Sternenkind?

Oder kennst Du Menschen, die ein Sternenkind haben?

Was hilft Dir, wenn Du trauerst?

Herzliche Grüße

Silke

Weiterlesen:

Ich habe auf Kindeshalb einen Ordner für das Thema Sternenkinder eingerichtet.

Hier will ich nach und nach nützliche Informationen und Gedanken zusammentragen.

Sternenkinder 2015: Wie Abschied nehmen?

Trauersprüche für Sternenkinder

Fehlgeburt: Was du niemals sagen solltest!

 

 

Von |2017-07-28T20:13:12+02:0018. Juli 2016|

Sternenkinder 2015: Wie Abschied nehmen?

Die Sternenkinder 2015 sollen im Mittelpunkt dieses Beitrages stehen.

Ich will mit meinem Artikel an sie und ihre Eltern und ihre Familie erinnern.

Denn was kann schmerzlicher sein als von seinem Kind Abschied nehmen zu müssen?

Eltern, die durch eine Fehlgeburt, Totgeburt, einen medizinisch indizierten Abbruch oder durch eine schwere Krankheit Abschied nehmen müssen, sind mit einer extremen Verlusterfahrung konfrontiert.

Anstatt ein gesundes Kind in den Armen halten zu können, haben Sie ein Sternenkind.

Ein Sternenkind ist ein Kind, das vor, während oder kurz nach der Geburt verstorben ist.

Manche Eltern bezeichnen ihr Kind, obwohl es länger leben konnte, mit dem Begriff Sternenkind.

In diesem Artikel möchte ich ganz besonders an die Sternenkinder 2015 erinnern.

Vielleicht hast Du selbst ein Sternenkind 2015 oder Du kennst liebe Menschen, die ein Sternenkind in diesem Jahr zu Grabe tragen mussten.

Sternenkinder 2015: Das Unfassbare begreifen

Ganz unabhängig vom Zeitpunkt und den Umständen des Abschieds ist der Tod eines Kindes ein sehr tiefer Einschnitt in die eigeneLebensgeschichte.

Er zwingt die Eltern zur Auseinandersetzung mit dem Themenfeld Sterben, Tod und Trauer und damit mit dem Unfassbaren, das sich kaum in  Worte fassen lässt.

Gleichzeitig geht das Leben und der Alltag rund um die Eltern weiter, ganz so als wäre nichts geschehen.

Oftmals fühlen sich die Eltern einsam, vor allem dann, wenn sie das Kind aufgrund des frühen Verlustes nicht richtig kennenlernen konnten.

Es fällt schwer die Geschehnisse und den Tod zu begreifen.

Das eigene Kind ist nicht mehr da.

Es durfte nicht leben und es fällt schwer dies zu akzeptieren.

Wie fühlt es sich an, ein Sternenkind zu bekommen?

Gerade im ersten Trimester einer Schwangerschaft kommt es häufig zu Fehlgeburten.

Nach Schätzungen enden 10 bis 15 Prozent aller Schwangerschaften mit einer Fehlgeburt, 80 Prozent davon innerhalb der ersten zwölf Wochen.

Wie viele Sternenkinder 2015 mag es alleine geben?

Erste beunruhigende Anzeichen können Blutungen sein.

Manchmal spürt die Mutter keine Kindsbewegungen mehr oder die Herztöne des Kindes sind nicht mehr feststellbar.

Vielleicht werden Auffälligkeiten bei der Routineuntersuchung beim Frauenarzt festgestellt.

Je unkonkreter und ausweichender der Befund, desto unerträglicher die Unsicherheit, wie es weitergeht.

Dabei ist das Thema Fehlgeburt und das frühe Abschied nehmen müssen für die meisten Paare ganz weit weg, etwas, das nur im Fernsehen oder irgendwo in fernen Ländern passiert.

Dass Fehlgeburten leider zum Leben einer Frau und eines Paares dazugehören können, wissen viele nicht.

Der Schock sitzt tief und es gibt kaum eine Vorstellung, wie diese Nachricht verarbeitet werden kann.

Der Tod lässt sich nicht begreifen und keine gut gemeinten Worte können trösten.

Es gilt auszuharren, sich von Tag zu Tag zu hangeln und die Hoffnung nicht zu verlieren, dass es irgendwann wieder bessere Tage geben wird.

Wie Abschied nehmen?

Stehe nicht an meinem Grab und weine.
Ich bin nicht dort, ich schlafe nicht.
Ich bin wie tausend Winde, die wehen.
Ich bin das diamantene Glitzern des Schnees.
Ich bin das Sonnenlicht.
Ich bin der sanfte Herbstregen.
Ich bin der Morgentau.
Wenn du aufwachst in des Morgens Stille,
bin ich der flinke Flügelschlag friedlicher Vögel im kreisenden Flug.
Ich bin der milde Stern, der in der Nacht leuchtet.

Stehe nicht an meinem Grab und weine
Ich bin nicht dort, ich bin nicht tot.

Ich vergesse dich nicht.

(Mary Elizabeth Frye)

Die Bestätigung, dass das eigene Kind nicht mehr lebt oder bald sterben wird, verändert alles.

Nichts ist mehr wie vor dieser Nachricht.

Alle Vorstellungen und Pläne über das gemeinsame Leben stürzen in sich zusammen.

Die bereits aufgebaute Bindung zerreißt schmerzhaft.

Hinzu kommt, dass Sternenkinder kaum Spuren auf dieser Welt hinterlassen.

 

Sternenkinder 2015: Wie das Unfassbare begreifen?

Sternenkinder 2015: Wie das Unfassbare begreifen?

Sternenkinder 2015: Erinnerungsstücke sammeln

Nach der Beerdigung bleibt kaum etwas, um sich an das geliebte Kind zu erinnern.

Umso wichtiger ist es, sorgsam mit den Spuren des kleinen Menschen umzugehen:

  • Die Sammlung von Erinnerungsstücken in einer Kiste oder Schachtel
  • Erinnerungsbilder vom verstorbenen Kind und den Angehörigen machen oder machen lassen
  • Hand- und Fußabdrücke mit Fingerfarben oder plastisch per Gips erstellen
  • Dem Kind einen Vornamen geben
  • Abschiedsrituale und Bestattungszeremonien planen
  • Eintragung des Kindes ins Geburtenregister beim Standesamt

 

Betroffene Eltern müssen wissen, dass alles, was sie jetzt an Eindrücken von ihrem Kind sammeln als Erinnerung für ein ganzes Leben reichen muss!

Wichtig ist mir zu betonen, dass diese Punkte nur als Vorschläge und Anregungen zu verstehen sind.

Jedes Elternpaar sollte für sich selbst entscheiden, womit es sich am wohlsten fühlt.

Möglich ist es auch, einige Rituale nachzuholen, wenn man zum Zeitpunkt des Todes vielleicht keine Gelegenheit dazu hatte.

Alles ist richtig, wenn es den Eltern hilft und es ihnen damit ein klein bisschen besser geht!

Sternenkinder – Sternenland

»Wenn du bei Nacht den Himmel anschaust, wird es dir sein, als lachten alle Sterne,

weil ich auf einem von ihnen wohne,

weil ich auf einem von ihnen lache.

Du allein wirst Sterne haben, die lachen können!«

(Aus: Antoine de Saint-Exupery, Der kleine Prinz)

 

Ursprünglich wurden die Kinder als Sternenkinder bezeichnet, die den Himmel und die Sterne erreicht haben, noch bevor sie das Licht der Welt erblicken durften.

Im ursprünglichen Sinne wurden damit Neugeborene bezeichnet, die mit einem Gewicht von 500 Gramm vor, während oder nach der Geburt versterben.

Mittlerweile werden aber auch verstorbene Babys – unabhängig von ihrem Gewicht – so genannt.

Eltern bewegt die Frage, wohin das eigene Kind geht und ob es ihm dort gut geht, wo es nun ist.

Ich selbst habe mich immer wieder mit dieser Frage beschäftigt.

Dabei ist das Bild entstanden, welches Du zu Beginn meines Artikels sehen kannst.

Sternenkinder sitzen in einem Boot Richtung Sternenland.

Sie haben Spielzeug dabei und stützen und halten sich während der wackeligen Überfahrt.

Die Eltern stehen am Ufer und blicken ihren Kindern hinterher.

Sie hoffen, dass es ihnen auf der anderen Seite gut gehen wird.

Das Sternenland sieht von der Uferseite einladend aus.

Die Sterne funkeln und erleuchten das Sternenland.

Die Sonne scheint und liefert Wärme und Licht.

Es gibt dort Häuser und liebe Menschen, die jedem kleinen Sternenkind Schutz und Geborgenheit geben.

Ich persönlich mag diese Vorstellung und dieses Bild sehr.

Ich wünsche mir für alle Sternenkinder 2015 einen Ort der Geborgenheit und der Ruhe wie auf meinem Bild.

Und für alle Sternenkinder auf dieser Welt, die nicht leben durften.

Der Gedanke tröstet mich einen Augenblick, er tut mir gut.

Wie ergeht es Dir damit?

Ich wünsche allen Sterneneltern viel Kraft auf ihrem Weg und viele liebe Menschen, die sie begleiten.

In meinem Artikel Trauersprüche für Sternenkinder sammle ich kontinuierlich Sprüche und Zitate, die trauernden Eltern und Angehörigen

erste Ausdrucksformen für den Tod ihres Kindes schenken können.

Herzliche Grüße

Silke Schwekutsch

 

 

 

Von |2017-06-12T02:10:43+02:0018. März 2016|

Fehlgeburt und Abschied

Zu Beginn einer Schwangerschaft kommt es leider immer wieder zu einer Fehlgeburt und damit zum Abschied vom noch ungeborenen Kind.

Viele Frauen belastet der Verlust extrem.

Sie fühlen sich damit alleingelassen.

Ein Artikel in Spiegel online greift das Thema auf und erzählt die Geschichte einer jungen Frau.

Weiterhin wird die Arbeit von Jutta Kuck, einer Ärztin und Therapeutin, die bei profamilia in Burscheid und Solingen berät, begleitet.

 

Grabfeld für Sternenkinder: Vielen Frauen fällt es schwer, eine Fehlgeburt zu verarbeiten

Als Jana Köhler* schwanger wurde, war sie sehr glücklich. Es war der richtige Zeitpunkt, sie war 30 Jahre alt, hatte den Einstieg in den Beruf geschafft und lebte mit ihrem Partner zusammen. Schon zwei Monate, nachdem das Paar aufgehört hatte, zu verhüten, war der Test aus der Apotheke positiv ausgefallen. Die Frauenärztin zeigte ihr den Herzschlag des Embryos auf dem Ultraschallbild, Jana Köhler war in der siebten Woche schwanger.

Vier Wochen später ging sie zur nächsten Vorsorgeuntersuchung. Der Embryo würde nun so groß sein wie ein Gummibärchen, wusste sie. „Er versteckt sich“, meinte die Ärztin zunächst noch, als sie auf dem Ultraschallbild nichts entdecken konnte. Doch der Embryo war verschwunden. Jana Köhler hatte eine missed abortion gehabt, einen verhaltenen Abort. Dabei geht ein toter Embryo nicht ab, sondern wird oft vom Körper resorbiert.

Wie einen Schlag ins Gesicht habe sie die Nachricht empfunden, sagt Jana Köhler: „In mir zog sich alles zusammen.“ Im Krankenhaus entfernten Ärzte die Reste der Fruchtblase aus ihrer Gebärmutter, Jana Köhler saß im Gynäkologiestuhl und konnte nicht aufhören zu weinen. Sie fühlte sich hilflos. Bei der Erinnerung daran muss sie selbst ein Jahr später noch gegen Tränen ankämpfen.

Schwerer Schicksalsschlag – wenig Verständnis

Schätzungen zufolge enden 10 bis 15 Prozent aller Schwangerschaften mit einer Fehlgeburt, 80 Prozent davon innerhalb der ersten zwölf Wochen. Vielen Frauen fällt es schwer, das Ereignis zu verarbeiten – dennoch wird selten darüber gesprochen. Unter anderem, weil es ein sehr persönlicher Schmerz ist, dessen Ausmaß selbst nahestehende Menschen nicht immer verstehen.

Jutta Kuck ist Ärztin und Therapeutin, sie berät betroffene Frauen in den Pro-Familia-Beratungsstellen von Solingen und Burscheid. Vor allem, wenn die Fehlgeburt früh passiert, fehle dem Umfeld oft das Verständnis, sagt die Medizinerin: „Es wird erwartet, dass die Frauen nach zwei Wochen wieder arbeiten gehen, und spätestes nach sechs Wochen alles vergessen haben.“ Doch der Verlust des ungeborenen Kindes sei ein Schicksalsschlag, mit dem jeder anders umgehe.

„Frauen nehmen den Embryo meist schon ab dem ersten Schwangerschaftstest als ihr Kind wahr und bauen eine Bindung zu ihm auf“, sagt Kuck. Und viele sehen nach einem Abort ihren Lebensplan scheitern, weil sie fürchten, dass sie niemals ein Kind bekommen können. Das trifft vor allem auf die Frauen zu, die erst spät schwanger werden. „Wenn eine 38-Jährige ein ungeborenes Kind verliert, kann ihr ja auch niemand garantieren, dass sich ihr Kinderwunsch noch erfüllt“, sagt Kuck.

Schuldgefühle und Vorwürfe

Besonders stark leiden Frauen, die in ihrem Leben schon öfter Verluste erfahren mussten: Wer zum Beispiel einen Elternteil verloren oder andere schmerzhafte Trennungen erlebt hat, bleibt besonders verwundbar. Eine Fehlgeburt kann aber auch starke Frauen aus der Bahn werfen, die sonst gut darin sind, Probleme zu meistern. „Solche Frauen gehen oft davon aus, sie könnten das ganze Leben planen und kontrollieren. Die missglückte Schwangerschaft wird dann als schlimmer Kontrollverlust empfunden“, sagt Kuck.

Fast alle Frauen machen sich Vorwürfe, wenn sie ein Kind verlieren. „Man sucht nach Gründen“, sagt auch Jana Köhler. War sie zu oft beim Sport? Hatte sie nicht dieses eine Mal Alkohol getrunken, als sie noch nichts von der Schwangerschaft wusste? Die Schuldgefühle seien in der Regel unbegründet, sagt Jutta Kuck: „Und sie machen es schwer, abzuschließen.“

Die Therapeutin hilft Frauen mit Methoden der Traumatherapie, ihren Kummer zu verarbeiten oder mit der Angst vor einer weiteren Fehlgeburt umzugehen. Manchmal hilft sie auch dabei, vom Kinderwunsch Abschied zu nehmen. Außerdem berät sie Paare, deren Beziehung nach einer Fehlgeburt leidet: Oft fühlen sich Frauen von ihren männlichen Partnern allein gelassen, die scheinbar weniger trauern. Dabei gingen diese häufig nur anders mit dem Verlust um, sagt Kuck. „Die Männer glauben, sie müssten für ihre Partnerin stark sein, und verbergen deshalb ihr Leid.“

Abschied vom nie geborenen Kind

Freunden und Familie empfiehlt die Therapeutin, ganz einfach zuzuhören – für Aufmunterungsversuche der Art „Das nächste Mal klappt es bestimmt!“ hingegen sei es in der Trauerphase zu früh. Auch Rituale könnten betroffenen Frauen helfen. So bieten mehrere Geburtskliniken heute symbolische Bestattungszeremonien für zu früh oder nie geborene Kinder an.

Jana Köhler hat für ihr verlorenes Baby eine Kerze angezündet. Vielleicht wäre es schwer krank gewesen, hat sie sich irgendwann gesagt, und die Schwangerschaft musste deswegen scheitern. Die Fehlgeburt hätte ihr so erspart, sich später für oder gegen eine Abtreibung entscheiden zu müssen. Heute ist sie die Mutter von Malte, einem neun Monate alten Sohn. Vor kurzem hat er zum ersten Mal Mama gesagt. Trotzdem denkt sie manchmal noch an das andere, das niemals geborene Kind. Sie malt sich dann aus, dass es heute schon laufen könnte.

ZUR AUTORIN
  • Irene Habich

    Irene Habich studierte Tiermedizin und Journalistik. Sie arbeitet als freie Wissenschaftjournalistin in Berlin und Hamburg.

Von |2017-06-12T02:10:44+02:0024. Februar 2015|